Euro-Krise

Dämpfer für den Optimismus

Die Abkühlung der Weltwirtschaft und die finanzpolitischen Turbulenzen im Euro-Raum dämpfen den monatelang fast ungebremsten Optimismus der deutschen Unternehmer. Der Ifo-Index, ein wichtiges Stimmungsbarometer, sank im Juli überraschend deutlich von 114,5 auf 112,9 Punkte.

Vor allem die exportorientierten Firmen haben ihre Erwartungen für die nächsten Monate gedrosselt. Von einer Schwächephase der deutschen Wirtschaft könne allerdings nicht die Rede sein, urteilte Ifo-Chef Werner Sinn bei der Vorstellung der Daten in München. Tatsächlich sind die Einschätzungen noch genauso günstig wie im Frühjahr.

Die Umfragebögen zur Beurteilung des Geschäftsklimas waren vor dem am Donnerstag befassten Beschluss des EU-Krisengipfels für ein weiteres Griechenland-Hilfspaket eingegangen - zu der Zeit, als die Sorgen um das hoch verschuldete Italien die Stimmung belasteten. Alexander Koch von der Bank Unicredit gibt zu bedenken, dass die wirtschaftlichen Aussichten nicht zuletzt aufgrund der Schuldensituation in zahlreichen Industrieländern ungewiss seien. "Eine fundamentale Verlangsamung" des deutschen Aufschwungs sei nach der außergewöhnlichen Dynamik der vergangenen Monate "unvermeidlich". Tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass die Konjunktur im gesamten Euro-Raum abkühlen könnte.

Der Ifo-Index ist die dritte Warnung in dieser Woche: Dem Einkaufsmanagerindex Markit zufolge ist die Stimmung im Juli vor allem in Ländern wie Griechenland und Portugal deutlich gesunken; selbst in den großen Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich, die bislang hohes Wachstum zeigten, kühlte sie sich spürbar ab. Unter dem Eindruck der Euro-Krise hatte auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) seine Konjunkturerwartungen im Juli abermals deutlich gesenkt.

Die Einschätzung der 7000 Unternehmer, die das Ifo-Institut jeden Monat zu ihrer derzeitigen Lage und ihren Erwartungen für die nächsten Monate befragt, ist dabei sogar pessimistischer als von Ökonomen im Vorfeld erwartet. Sie hatten mit einem Rückgang auf 113,5 Punkte gerechnet. Nach zwei kleinen Rückgängen im März und April und einer Stagnation im Mai war das wichtige Stimmungsbarometer im Juni überraschend erneut gestiegen, auf 114,5 Punkte.

Eine Trendumkehr wollen die Ifo-Ökonomen daraus aber nicht ablesen. Die deutsche Wirtschaft stelle sich auf eine "gemächlichere Gangart" aufgrund der Abschwächung in den USA und auch in Asien ein, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Dies geschehe allerdings "auf sehr gutem Niveau". Er glaube auch nicht, dass das Hilfspaket für Griechenland "unmittelbar starke Wirkung haben wird".

Während Industrieunternehmen ihre Erwartungen deutlich herunterschraubten, schätzen Einzelhändler ihre Geschäftsperspektiven dagegen wieder etwas besser ein. Allerdings ist ihre aktuelle Lage der Befragung zufolge weniger zufriedenstellend als bisher. Einzig im Bauhauptgewerbe beurteilen die Unternehmer sowohl ihre Lage als auch ihre Erwartungen als positiv. Die unterschiedliche Sicht der Branchen ist nach Meinung der Experten von der Berenberg-Bank ein deutlicher Hinweis darauf, "dass der Vertrauensverlust durch externe Faktoren bedingt ist": Einzelhandel und das Baugewerbe gingen offenbar davon aus, dass der Binnenaufschwung in Deutschland weiterhin anhalten werde.

Das zweite Halbjahr begann für die deutsche Wirtschaft bereits mit einem deutlichen Dämpfer. Die Industrie wuchs laut einer Umfrage unter 1000 Unternehmen so langsam wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr, und die Dienstleister verzeichneten den geringsten Zuwachs seit fast eineinhalb Jahren. "Dem deutschen Aufschwung geht so langsam die Puste aus", sagte Tom Moore vom Markit-Institut. Der Aufschwung hänge am "seidenen Faden", erklärte er.

Ursache für die zurückhaltenden Einschätzungen ist die nachlassende Weltkonjunktur. Chinas Industrie schrumpfte im Juli zum ersten Mal seit einem Jahr - auch weil die Notenbank im Kampf gegen die steigende Inflation ihre Zinsen mehrfach angehoben und Geld aus dem Wirtschaftskreislauf gezogen hat. Und auch im Euro-Raum läuft es nicht gut: Das Wachstum der Privatwirtschaft ist fast zum Erliegen gekommen. "Die Finanzkrise außen vor, war der Juli der schlechteste Monat seit dem Irak-Krieg 2003", so Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Zudem kamen aus der weltgrößten Volkswirtschaft USA zuletzt enttäuschende Konjunkturdaten.

Auch das Bundesfinanzministerium äußerte sich verhaltener als in den vergangenen Monaten. "Der Konjunkturaufschwung in Deutschland hat sich im zweiten Quartal wahrscheinlich mit deutlich vermindertem Tempo fortgesetzt", hieß es in dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht. "Insbesondere in der Industrie zeigt sich dabei eine Abstufung im Expansionstempo." Die Frühindikatoren deuteten darauf hin, dass auch im weiteren Jahresverlauf mit einem flacheren Wachstumspfad zu rechnen ist.