Erfolgreiche Technologiekonzerne

Das Silicon Valley schlägt die Wall Street

Über einen Gewinn von schlappen 5,4 Milliarden Dollar kann so mancher US-Technologiekonzern nur lachen. So viel hat die führende US-Großbank JPMorgan Chase in den vergangenen drei Monaten unterm Strich verdient.

Doch die Konkurrenz aus dem Silicon Valley hat da mehr zu bieten. Microsoft kam in der gleichen Zeit auf 5,9 Milliarden Dollar, Apple scheffelte sogar 7,3 Milliarden Dollar. In der Tech-Welt wird derzeit das ganz große Geld verdient.

Egal ob es das iPhone-Handy von Apple ist, die Bürosoftware Office von Microsoft oder der Computerchip von Intel: Die Kunden reißen den High-Tech-Riesen ihre Produkte aus den Händen. Auch Dienstleistungen wie der Betrieb von Rechenzentren werden massiv nachgefragt, das beweist das gute Abschneiden des Computer-Urgesteins IBM.

Doch woran liegt es? Die Firmenkunden rüsten weiterhin ihre in der Wirtschaftskrise vernachlässigte IT auf und die Privatkunden finden Gefallen an den neuesten technischen Spielereien, seien es nun Smartphones, Tablet-Computer oder Videospiele-Konsolen mit Bewegungssteuerung. Apple-Chef Steve Jobs schwärmte vor wenigen Tagen schon vom "besten Quartal aller Zeiten". Das größte Problem seines Unternehmens ist derzeit der rechtzeitige Nachschub. Kunden müssen derzeit beispielsweise mehrere Wochen auf ihr iPad warten. Viele Tech-Konzerne scheinen derzeit kaum noch zu wissen, wohin mit all dem Geld. Apple hat zurzeit sagenhafte 76,2 Milliarden Dollar auf der hohen Kante liegen - und baut nun erst mal eine neue Firmenzentrale im kalifornischen Cupertino, die mit ihren gigantischen Ausmaßen an das Pentagon erinnert, dem Sitz des US-Verteidigungsministeriums. 12 000 Leute sollen in dem Apple-Raumschiff einmal arbeiten. Google investiert sein Geld - immerhin 39,1 Milliarden Dollar - in neue Mitarbeiter. Immerhin 6000 Menschen will der Internetkonzern in diesem Jahr einstellen, damit würde die Belegschaft auf gut 30 000 anwachsen. Google verdient üppig an seiner Suchmaschine - und zwar über Werbeanzeigen, die passend zu den Suchergebnissen erscheinen.

Doch nicht nur die etablierten Tech-Konzerne sind gut unterwegs. Auch die neuen Pflanzen im Silicon Valley gedeihen bestens. Eine ganze Reihe an Neulingen aus der Internetwelt blühen auf, allen voran das soziale Netzwerk Facebook. Zwar ist der Gewinn noch vergleichsweise bescheiden, doch die Aussichten sind so gut, dass Investoren das Kind von Mark Zuckerberg mit ihrem Geld überschütten. Facebook bezieht nun ein neues Hauptquartier im Silicon Valley. Und auch der Kurznachrichtendienst Twitter braucht für seine wachsende Schar an Beschäftigten mehr Platz. Dann wären da noch das Schnäppchen-Portal Groupon oder der Spieleentwickler Zynga, die mit Milliardenbewertungen an die Börse streben.

Der gute Lauf der Tech-Branche hat für viele Bewohner des Silicon Valley allerdings eine unangenehme Nebenerscheinung: Die Häuserpreise explodieren angesichts der üppigen Boni und fetten Aktienpakete vieler Tech-Beschäftigten. Ein Einfamilienhaus in Palo Alto, wo Facebook und Hewlett-Packard sitzen, ist binnen eines Jahres um 20 Prozent teurer geworden und kostet nun 1,6 Millionen Dollar. Das ist umso bemerkenswerter, da im restlichen Amerika noch immer die große Immobilienkrise herrscht.