Kommentar

Kein Grund zur Panik

In den vergangenen Wochen haben sich Politiker und Ökonomen darin überboten, die deutsche Wirtschaft hochzujubeln. Deutschland stehe besser da als alle anderen Industrienationen, so der einhellige Tenor.

Weil endlich auch der Konsum anspringe, könne Deutschland über Jahre hinaus die Rolle der Wachstumslokomotive in Europa übernehmen. Einige verwegene Ökonomen prophezeiten der deutschen Wirtschaft gar ein "goldenes Jahrzehnt".

Doch nun trübt sich die Stimmung merklich ein. Das kommt in dieser Deutlichkeit zwar etwas überraschend, ist aber noch kein Grund zur Panik. Die Lage ist immer noch verhältnismäßig gut. Überdies wird Deutschland weiter von zwei historischen Besonderheiten profitieren. Erstens sind die Zinsen im Euroraum für die boomende deutsche Wirtschaft viel zu gering. Zweitens ist kein Ende des Beschäftigungswunders abzusehen.

Allerdings zeigt das nachlassende Wachstumstempo auch, wie sehr Deutschland nach wie vor vom Export abhängig ist. Wenn sich Chinas Wachstum verlangsamt, die US-Wirtschaft nicht aus den Startlöchern kommt und Teile der Eurozone sich in einer Rezession befinden, leidet auch die deutsche Wirtschaft. Die Hoffnung, die Kauflaune der Verbraucher werde die Abhängigkeit Deutschlands von der Weltwirtschaft reduzieren, wird sich nicht erfüllen.