Euro-Krise

Stresstest für das Privatvermögen

Anleger sind wieder ratlos. Kein Bankberater sagt ihnen, wo ihr Vermögen noch sicher ist. Denn auch in vielen Produkten, denen man es nicht ansieht, steckt die Euro-Krise drin. Die Einsätze sind hoch, auch für Sparer, denen es immer nur um Sicherheit ging.

Jede Anlageform muss jetzt in Augenschein genommen werden, und das gilt nicht nur für Aktien oder Investmentfonds, sondern auch für Altersvorsorgeprodukte wie die Riester-Rente oder die Lebenspolice. Selbst elementare Produkte wie Tagesgeld oder das Girokonto sind im weitesten Sinne betroffen. Bei einem ungünstigen Verlauf wird sich die Euro-Schuldenkrise womöglich zu einer neuen Bankenkrise auswachsen. Wie schon im Jahr 2008 könnte die Krise dann größer werden als der konventionelle Denkrahmen der Politiker und Finanzexperten.

Im Gegensatz zu den bisher betroffenen Ländern sind Staaten wie Italien und auch Spanien ökonomische Schwergewichte. Ihre Staatsanleihen bilden in den Bilanzen der Banken einen Posten von insgesamt 553 Milliarden Euro. Die Engagements in den Schuldtiteln der drei bereits unter den Rettungsschirm geflüchteten Staaten Griechenland, Irland und Portugal sind im Vergleich dazu - mit einer Summe von 184 Milliarden Euro - ein Klacks. Eine Eskalation der Schuldenkrise könnte das europäische Bankensystem ins Wanken bringen - und Kapitalmärkte kollabieren lassen.

Daran hängen jedoch nahezu sämtliche Formen der Geldanlage und Altersvorsorge. Die zwei traditionellen finanziellen Rettungsboote in Krisenzeiten sind Gold und Bargeld, Letzteres nicht nur in Form von Münzen und Scheinen, sondern auch als Tagesgeld auf dem Konto. Zwar leiden Tagesgeldanleger darunter, dass die Zinsen niedrig sind und wegen der Krise vermutlich bleiben werden, jedoch geht Vermögenserhalt in Phasen der Unsicherheit ohnehin vor Vermögensmehrung.

Eine mögliche Einschränkung sollten Anleger bedenken: Für den nach wie vor sehr unwahrscheinlichen Fall, dass die Währungsunion auseinanderfliegt, ist es besser, wenn Sparer ihre Konten bei einer Bank mit Hauptsitz in Deutschland haben. Die Auszahlung könnte sonst später in Peseten erfolgen - zu einem deutlich abgewerteten Kurs. Außerdem eignen sich Tagesgeldkonten im Grunde nur als Parkstation fürs Vermögen. Die Zinsen bleiben deutlich hinter der Inflationsrate zurück. Aktuell wirft täglich verfügbares Geld im Schnitt 1,5 Prozent ab, die Teuerungsrate in der Euro-Zone liegt bei 2,7 Prozent. Monat für Monat erleiden Anleger deshalb einen Vermögensverlust.

Gold hat, wie seine Anhänger stets betonen, den Vorteil, dass es noch nie pleitegegangen ist. Seine Bonität und Liquidität sind also nicht von denen irgendeines Staates abhängig. Allerdings fallen beim Kauf von Barren und Münzen aus gelbem Metall Gebühren an. Bei kleinen Stückelungen können die Aufschläge recht üppig sein: 10 oder 15 Prozent bei einer Zehntel Unze sind keine Seltenheit. Dieses Geld ist verloren, da Sparer bei der Rückgabe einer Goldmünze nur den Materialwert bekommen.

Problem Einlagensicherung

Die unsichere Zukunft des Euro lässt vor allem Vermögende in fremden Währungen, vor allem im Schweizer Franken, Zuflucht suchen. Das Geld der Eidgenossen gilt als die härteste Valuta Europas. Innerhalb von drei Jahren hat diese "Ersatz-D-Mark", wie der Franken an den Devisenmärkten genannt wird, ein Drittel an Wert gewonnen. Auch deutsche Banken bieten Konten in der Schweizer Währung an. Anleger sollten bedenken, dass Franken-Einlagen nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind. Deren Schutz bis zur Höhe von 100 000 Euro deckt nur EU-Währungen ab. Gleiches gilt für die norwegische Krone.

Lebensversicherungen und Riester-Fondssparpläne bleiben nur dann außer Gefahr, solange die Euro-Schuldenkrise nicht auf Spanien und vor allem Italien übergreift. Vor allem der Stiefel-Staat ist in den vergangenen Jahren aber als so großer Emittent von Schuldscheinen aufgetreten, dass kaum eine Assekuranz nicht in größerem Maße investiert hat. Nach Berechnungen der Analysten von J.P. Morgan Cazenove hat allein der deutsche Branchenführer Allianz brutto rund 28 Milliarden Euro in italienischen Staatanleihen investiert. Würde Italien in den gleichen Abwärtsstrudel geraten wie Griechenland, müssten die Versicherer Abschreibungen vornehmen, die das angesparte Vermögen erodieren könnten. Aber auch ohne Eskalation der Krise steht es um die Renditen der Lebensversicherungen nicht zum Besten. Die Anbieter kommen nicht umhin, das generelle Niedrigzinsniveau weiterzugeben.

Ein Schuldenschnitt Italiens würde auch viele Rentenfonds und darauf basierende Altersvorsorgeprodukte betreffen. Deshalb sind auch manche Arten von Riester-Verträgen nicht gänzlich vor den Folgen einer Euro-Eskalation gefeit. Der Staat garantiert zwar das eingezahlte Kapital, nicht aber die erzielte Rendite. Erwartungen an ein gesichertes Wohlstandspolster im Alter könnten so zerplatzen. Um die Risiken abschätzen zu können, kommen Anleger nicht umhin, sich bei den Versicherern und Kapitalanlagegesellschaften nach dem genauen Inhalt der Produkte zu erkundigen. Schwächere Anbieter könnten sogar Probleme bekommen, ihren Verpflichtungen gegenüber den Kunden nachzukommen.

Risiko Bankaktien

Euro-Risiken verstecken sich auch in Aktienfonds. Gefährdet sind vor allem die Banken. Bis heute haben sich die Aktien nicht von dem Einbruch der Jahre 2008 und 2009 erholt. Welche Risiken im Finanzsektor schlummern, macht die Commerzbank deutlich. Die Aktie der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank hat sich seit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise im Wert halbiert, während der Dax um ein Drittel zugelegt hat. "Die Commerzbank ist so was wie eine Geisel der Euro-Schuldenkrise", sagt Ian Smillie, Analyst bei der Royal Bank of Scotland (RBS). In den Büchern des Hauses finden sich 16,3 Milliarden Euro Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten.

Die Banken-Schwindsucht hat auch Konsequenzen für Sparer, die ihr Geld lediglich auf die großen Indizes verteilten, etwas in Form von Indexfonds. Wer das Risiko mindern will, sollten daher auf Produkte mit geringem Bankenanteil setzen. Im deutschen Dax sind zum Beispiel weniger Finanzwerte als im EuroStoxx 50.