Gewinnsprung

Larry Page startet als Google-Chef durch

Im Frühjahr ist der 38-Jährige Google-Gründer Larry Page ganz offiziell erwachsen geworden. Seit April leitet er den Internetkonzern, den er und sein Studienfreund Sergey Brin von der Universität Stanford 1998 gegründet hatten. Bis dahin hatten sie diese Aufgabe an Eric Schmidt abgegeben, der die Nachricht vom Führungswechsel damals mit der Bemerkung krönte, dass inzwischen die "tägliche Aufsicht eines Erwachsenen nicht mehr notwendig" sei.

Sein erstes Quartal an der Spitze des Internetkonzerns hat Page nun gut überstanden. Vor allem steigende Anzeigenerlöse ließen den Umsatz zwischen April und Ende Juni um ein Drittel auf rund neun Milliarden Dollar steigen (6,4 Milliarden Euro). Der Gewinn verbesserte sich um ein Viertel auf 2,5 Milliarden Dollar. Damit schnitt Google weitaus besser ab als Beobachter erwartet hatten. Der Aktienkurs reagierte darauf nachbörslich mit einem Sprung um zwölf Prozent.

Das gute Ergebnis ist angesichts der anhaltend hohen Investitionen von Google beachtlich. Der Konzern hat kein geringeres Ziel, als den weltweiten Markt für Informationen zu beherrschen. Dabei reicht es Larry Page und Sergey Brin längst nicht mehr, die weltweit führende Suchmaschine für das Internet entwickelt zu haben. Sie wollen unter anderem jedes verfügbare Buch digitalisieren und für die Street View Bilder aller Straßen ins Netz stellen. Mit der Zeit sind auch einige skurrile Ideen wie etwa die von selbst fahrenden Autos ohne Mensch am Steuer dazu gekommen. Nicht bei allen Vorhaben kommt Google mit Erfolg voran. Doch das jüngste Projekt hat das Potenzial, mal wieder für eine Revolution im Internet zu sorgen.

Ende Juni begann die Testphase von Google+. Mit diesem sozialen Netzwerk will Google Facebook Konkurrenz machen. Bislang kann man sich dort nicht selbst anmelden, sondern muss eingeladen werden. Bereits zehn Millionen Nutzer sind bei Google+ aktiv. Das ist natürlich noch nichts im Vergleich zu den 750 Millionen Nutzern, die sich bei Facebook ein Profil angelegt haben. Allerdings gibt es Google+ auch erst seit zwei Wochen.

Anders als Facebook soll Google+ den Freundeskreis so abbilden, wie er dem richtigen Leben entspricht. Zwar kann man auch bei dem sozialen Netzwerk von Mark Zuckerberg seine Freunde in Listen einteilen und entscheiden, wer welche Informationen und Fotos zu sehen bekommt. Doch bei Google+ funktioniert dies etwas einfacher mit Hilfe von sogenannten Kreisen. Sie unterscheiden richtige Freunde, Bekannte, Kollegen oder eben Berühmtheiten, über deren Leben man auf dem Laufenden bleiben will.

Das andere große Vorhaben von Google ist, dem Gutscheinanbieter Groupon Nutzer abzujagen. Im vergangenen Jahr war Google damit gescheitert, das ehemalige Start-Up-Unternehmen aus Chicago für sechs Milliarden Dollar zu übernehmen. Mit Google Offers wurde vor kurzem ein vergleichbarer Dienst in einigen Städten der Vereinigten Staaten gestartet.

Etwa zwei Drittel aller Suchfragen werden im Internet bei Google gestellt. Weder Microsofts Konkurrenzprodukt Bing oder Yahoo haben daran etwas geändert. Gefährlich könnte Google allerdings eine kartellrechtliche Untersuchung der US-Behörden werden. Im Juni bestätigte Google, dass das amerikanische Kartellamt überprüft, ob Google seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt. Ein vergleichbares Verfahren eröffnete die Europäische Kommission im November.