Krise

Neuer Dämpfer für Griechenland-Hilfe

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat Hoffnungen auf eine baldige Schuldenlösung für Griechenland einen neuen Dämpfer versetzt. Die weltgrößte und wichtigste Ratingagentur hat Politiker und Banken in Europa gewarnt, dass die bisherigen Pläne für eine Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Hilfe riskante Nebenwirkungen haben könnten.

Die Analysten drohen: Sollten die Modelle umgesetzt werden, müsste die Agentur einen teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands feststellen; genau das wollen aber Banken und Politiker um jeden Preis vermeiden.

Die Ratingagentur bezieht sich mit ihrer Warnung auf das sogenannte Pariser Modell, das vom französischen Bankenverband entwickelt wurde und auch Vorbild für die Einigung zwischen Bundesregierung und den deutschen Banken ist. Das Modell sieht vor, dass Banken sich an den Hilfen für Griechenland beteiligen, indem sie ihr bestehendes Engagement in dem Land verlängern: Institute, die griechische Anleihen halten, die bis Mitte 2014 zur Rückzahlung anstehen, sollen sich verpflichten, einen Großteil der Gelder erneut in griechische Papiere zu investieren. Die deutschen Banken und Versicherungen hatten sich vergangene Woche nach langen Verhandlungen bereit erklärt, sich an diesem Vorschlag zu orientieren; sie wollen Anleihen im Wert von 3,2 Milliarden Euro auf diese Weise verlängern.

Jetzt warnt allerdings S&P vor einer Umsetzung der Pläne. Die Ratingagentur müsste dann ihren eigenen strengen Kriterien folgen, einen teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands feststellen und dem Land die Bonitätsnote "SD" geben - sie steht für "selective default", teilweisen Zahlungsausfall. Genau das wollen jedoch die betroffenen Banken vermeiden, denn dieser Schritt könnte eine Kettenreaktion auslösen, die andere Euro-Länder und den internationalen Finanzmarkt in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Angesichts der Warnung aus London dringt die deutsche Finanzbranche auf Änderungen an dem Modell. Die Gespräche zwischen Banken, Versicherungen und der Bundesregierung dauerten zu Redaktionsschluss noch an. Eigentlich sollte das deutsche Modell bereits am Sonntag stehen. Die Finanzmärkte reagierten vorübergehend verunsichert auf die Erklärung von S&P: Die Aktien von Banken gaben nach, der Euro-Kurs sank ebenfalls.

Die Machtfülle der allesamt in den USA beheimateten Agenturen ist riesig: An ihren Noten orientieren sich nicht nur private Käufer von Staatsanleihen, sondern auch die Aufsichtsbehörden und Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB). Anleihen mit einem schlechten Rating haben kaum eine Chance, Käufer zu finden. So wird Griechenland bei S&P nur noch mit der Note "CCC" bewertet. Viele Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds dürfen griechische Anleihen daher gar nicht mehr erwerben.

Umstritten sind die Leistungen der Ratingagenturen nicht erst in den vergangenen Monaten. So hatten sie vor der jüngsten Finanzkrise mit Immobilien besicherte Kredite oftmals mit der Bestnote "AAA" bewertet. Dies führte zu leichtfertigen Käufen dieser Papiere, die sich im Nachhinein oft als wertlos erwiesen hatten. Auch Anleihen von Schuldenstaaten in der Euro-Zone erhielten lange gute Bonitätsnoten. Zumindest Standard & Poor's verteidigt sich damit, dass man Griechenland bereits im Jahr 2004 herabgestuft habe. Damals sei diese Entscheidung kaum beachtet worden.