Finanzprodukte

Beipackzettel sollen Sparer über Risiken aufklären

Viel wurde in den vergangenen Jahren über Risiken und Nebenwirkungen von Finanzprodukten diskutiert. Seit Freitag ist es nun so weit: Für Aktien, Anleihen und Fonds wird es Beipackzettel geben, auf denen der Sparer wichtige Informationen nachlesen kann.

"Geldanleger in Deutschland sind künftig deutlich besser gegen Falschberatung geschützt", sagte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Auch Verbraucherschützer begrüßen die Neuerung. "Die Informationsblätter sind ein unterstützendes Element bei der Finanzberatung der Kunden", so Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie könnten allerdings die eigentliche Beratung nicht ersetzen.

Grundlage ist ein im Frühjahr verabschiedetes Gesetz für mehr Anlegerschutz. Demnach sind Finanzdienstleister ab dem 1. Juli verpflichtet, auf zwei Seiten, bei komplizierten Produkten können es auch drei sein, kompakt und verständlich über Funktionsweise, Risiken und Kosten des Angebots zu informieren. Der Kunde muss zudem erfahren, unter welchen Bedingungen er sein Geld zurückbekommt.

Für jeden zugänglich sind die Informationen allerdings nicht. Das Gesetz sieht lediglich vor, dass die Blätter im Rahmen eines Beratungsgesprächs übergeben werden müssen. Ob eine Bank sie auch ins Internet stellt, ist ihr überlassen. Ein rascher Vergleich unterschiedlicher Angebote unterschiedlicher Banken wird daher auch künftig kaum möglich sein. Zudem gibt es keinen verbindlichen Standard, wie die Produktinformationsblätter genau auszusehen haben. Der Zentrale Kreditausschuss, in dem die Spitzenverbände von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Instituten zusammengefasst sind, hat lediglich einen Vorschlag für einen einheitlichen Aufbau der Blätter gemacht. "Wir gehen davon aus, dass sich die Häuser auch daran halten", heißt es beim Bundesverband deutscher Banken. Verbraucherschützer fürchten dagegen noch aus einem anderen Grund ein großes Durcheinander. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Blätter vom Emittenten und nicht vom Vertrieb erstellt werden", sagte Mohn. Nun kann es passieren, dass das gleiche Finanzprodukt von Banken unterschiedlich beschrieben wird.

Anders als bei Anleihen oder Sparprodukten ist ein Wildwuchs bei Investmentfonds nicht möglich. Auch hier ist ab dem 1. Juli ein neues Aufklärungspapier vorgeschrieben: Es heißt Key Investor Document (KID) oder "Wesentliche Anlageinformationen". Es kommt nicht vom deutschen Gesetzgeber, sondern von der Europäischen Kommission in Brüssel. Diese hat hier auch ganz klare Vorgaben gemacht, wie das ebenfalls meist zweiseitige Schreiben auszusehen hat. Die Vorgaben beziehen sich nicht nur auf Umfang und Anordnung der Informationen, sie gehen sogar bis zur Schriftgröße. Für die Erstellung sind die Investmentgesellschaften verantwortlich, nicht der Vertrieb.

Zu sehen ist in den KIDs - neben Zielen, Anlagepolitik und Kosten des Fonds - eine Grafik zur Wertentwicklung in den vergangenen zehn Jahren. Und dann gibt es noch ein Risiko- und Ertragsprofil. Die Skala reicht von eins bis sieben.

Was auf den Blättern fehlt, sind Angaben zu Provisionen. Die KIDs ersetzen die bislang üblichen vereinfachten Verkaufsprospekte. "Der vereinfachte Verkaufsprospekt hat das Ziel verfehlt, er war aus Sicht der Regulierer nicht kurz und verständlich genug", sagte Eich. Statt bis zu 30 Seiten, die kaum ein Anleger las, sollen nun zwei Seiten den Durchblick bringen.