Finanzhilfen

Griechenland muss für Investoren attraktiver werden

Griechenland erhält den dringend benötigten internationalen Zwölf-Milliarden-Euro-Kredit. Die Euro-Finanzminister haben die für diesen Monat fällige Teilzahlung aus dem seit 2010 laufenden Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) am Sonnabendabend freigeben - per Videokonferenz und nicht wie geplant auf einem Treffen am Sonntag in Brüssel.

Ursprünglich wollten die Kassenhüter dort auch über ein neues Rettungspaket für Griechenland debattieren, das bis zu 120 Milliarden Euro umfassen soll.

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, hatte die Vorverlegung entschieden. "Mir war es lieber, eine undramatische Konferenz zur Auszahlung der fünften Tranche aus dem Hilfsprogramm zu haben, als eine dramatische Sitzung, wo man den Eindruck gehabt hätte, dass man sich erst einer Entscheidung annähert." Die Debatte über das neue Paket solle jetzt am 11. Juli beim nächsten regulären Treffen der Euro-Minister geführt werden. Es stehe aber noch nicht fest, ob es zu diesem Termin schon eine endgültige Einigung geben werde. Juncker wandte sich gegen Spekulationen, wonach das zweite Rettungspaket für Athen auf die lange Bank geschoben werden könnte. "Es wird ein neues Griechenland-Programm geben - in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds."

Nach Überzeugung der deutschen Industrie benötigt das Land dringend ein langfristiges Investitionsprogramm zur wirtschaftlichen Erholung. "Wir brauchen einen Businessplan", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. "Jetzt müssen Wege gefunden werden, um den Griechen Zeit zu verschaffen, damit sie wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen." Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wies Keitel strikt zurück. "Jede Lösung, die darauf abzielt, starke oder schwache Länder aus dem Währungsgebiet herauszulösen, wäre fatal sowie gefährlich und weit weg von der Realität." Auch ein radikaler Schuldenschnitt in Griechenland allein sei keine Lösung. Griechenland kann nach Ansicht von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nur mit einer strikten Sparpolitik die Krise überwinden. In der Athener Zeitung "To Vimas tis Kiriakis" wies er Bedenken zurück, wonach ein harter Sparkurs der griechischen Wirtschaft die Wachstumschancen nehme.