Einstieg

Gazprom will auf dem deutschen Strommarkt mitmischen

Der russische Gazprom-Konzern strebt im Zuge des Atomausstiegs einen Einstieg in die Stromproduktion in Deutschland an.

"Es ist uns sehr, sehr ernst mit der Stromerzeugung auf dem deutschen Markt", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Donnerstag bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Moskau. "Wir sind bereit, in neue Stromproduktion zu investieren, wir sind bereit, Anteile an bestehenden Kraftwerken zu kaufen. Aber noch liegen keine Angebote eines deutschen Unternehmens vor."

Erst vor wenigen Tagen hatte Gazprom erklärt, dass sich durch die Energiewende in Deutschland dem Konzern hierzulande Wachstumsmöglichkeiten böten. Der staatlich kontrollierte Konzern spreche bereits über die Beteiligung an Gaskraftwerken mit E.on, Wintershall BASF, RWE und unabhängigen Produzenten. Die Bundesregierung setzt nach dem beschlossenen Atomausstieg auf den Bau weiterer Gaskraftwerke. Diese sollen dazu beitragen, die Stromversorgung rund um die Uhr zu sichern und Schwankungen beim Ökostrom auszugleichen. Zudem stoßen sie weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus als Kohlekraftwerke.

Gleichzeitig steuert Gazprom einen Konfrontationskurs mit dem deutschen Energieriesen E.on. Wie die Morgenpost erfuhr scheiterten die Verhandlungen über eine Änderung der Lieferverträge. Weil die USA zum Gas-Selbstversorger geworden sind und der weltgrößte Flüssiggaslieferant Katar seine ursprünglich für die USA bestimmten Mengen nach Europa umgelenkt hat, zeigt sich das Überangebot an den europäischen Spotmärkten bereits durch fallende Preise. Wer wie E.on an langfristige Lieferverträge mit Gazprom und eine am Ölpreis ausgerichtete Gaspreisformel gebunden ist, kann vom Preisverfall am Spotmarkt aber nicht profitieren. E.on rechnet daher auch für 2011 mit einem Milliardenverlust aus dem Gasgeschäft.