Wechsel

Schweizer Großbank UBS schnappt sich Axel Weber

Es ist gleich der zweite Paukenschlag in eigener Sache, für den Axel Weber sorgt. Nur zwei Monate nach seinem überraschenden Abschied von der Bundesbank hat er ein neues Spitzenamt in Aussicht. Und zwar nicht bei der Deutschen Bank, wo er monatelang als möglicher Nachfolger für Vorstandschef Josef Ackermann gehandelt wurde.

Das Rennen um den renommierten Notenbanker macht stattdessen die Konkurrenz: die Schweizer Großbank UBS. Im Mai 2012 soll Weber dort als Vizepräsident in den Verwaltungsrat einziehen und im Jahr darauf zum Präsidenten aufsteigen.

Damit übernimmt der 54-Jährige einen Posten, für den Ackermann vor einiger Zeit selbst im Gespräch war. Die Leitung des UBS-Verwaltungsrats gilt als hochkarätigster Posten der Schweizer Finanzbranche. Dieses Angebot sei so verlockend gewesen, "dass er es einfach annehmen musste", wurde aus Webers Umfeld kolportiert. Aus Zürcher Finanzkreisen verlautetet, der Zusage an die UBS seien nur relativ kurze Verhandlungen vorausgegangen. Erst in den vergangenen Wochen habe die Schweizer Bank den Kontakt zu Weber gesucht.

Auch bei der Deutschen Bank hat man erst in den vergangenen Tagen von Webers neuen Plänen erfahren. Über mehrere Monate hatte sich Ackermann für eine Verpflichtung Webers stark gemacht. Noch vergangene Woche warben Webers Unterstützer innerhalb der Bank hinter den Kulissen für ihren Favoriten. Allerdings war die Personalie höchst umstritten. Die Vorstände neben Ackermann stellten sich nahezu geschlossen gegen Weber und sprachen sich für eine interne Nachfolgelösung aus. Auch in weiten Teilen des Aufsichtsrats hatte der frühere Notenbanker einen schweren Stand, sowohl auf der Anteilseigner - als auch auf der Arbeitnehmerseite. Aufsichtsratschef Clemens Börsig wiederum hatte sich lange nicht in die Karten schauen lassen, soll inzwischen jedoch auch zu internen Kandidaten neigen. Zuletzt mehrten sich der Anzeichen, dass sich die Nachfolgesuche nun beschleunigen könnte, nachdem Börsig lange stoisch darauf verwiesen hatte, Ackermanns Vertrag laufe noch bis 2013.

Die Bundesbank muss dem Wechsel Webers noch zustimmen. Dies sei nach seinem mit der Notenbank geschlossenen Vertrag erforderlich, teilte die Bundesbank mit. Weber hatte nach Informationen der Morgenpost bereits am Donnerstag seinen Antrag eingereicht. Der Bundesbank-Vorstand wird sich in seiner Sitzung am 12. Juli mit dem Thema befassen. Eine Zustimmung ist dem Vernehmen nach wahrscheinlich. "Er erlöst damit alle Beteiligen von Problemen", hieß es in Kreisen der Notenbank. "Wenn er zur Deutschen Bank gegangen wäre, wäre es schwierig geworden." Schließlich war Weber als Bundesbankchef an der Aufsicht über die deutschen Banken mit beteiligt.

In der Politik wird allerdings auch sein Wechsel zur UBS kritisch gesehen. "Weber nimmt Insiderwissen über deutsche Banken in die Schweiz mit", sagte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen. "Ich wundere mich, dass sich die deutschen Banken das gefallen lassen und nicht auf eine gesetzlich fixierte Karenzzeit drängen." Aus seiner Sicht wären dafür drei Jahre nötig. Weber will sein neues Amt dagegen bereits ein Jahr nach seinem Ausscheiden bei der Notenbank antreten. Zurückhaltender äußerste sich der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach. "Die Deutsche Bundesbank prüft gerade, ob dem Wechsel zugestimmt werden kann", sagte er. "Diese Prüfung sollte abgewartet werden."

In der Schweiz erwartet Weber keine leichte Aufgabe. Schließlich gehört die UBS zu den größten Verlierern der Finanzkrise: Ihre Händler und ein hauseigener Hedgefonds hatten sich haushoch in US-Papieren verspekuliert. Ein teures Abenteuer: Die UBS musste im Verlauf der Finanzkrise mehr als 30 Milliarden Euro abschreiben. Das Management wurde ausgetauscht, über 7500 Mitarbeiter mussten gehen. Dass die Bank die Krise überlebte, verdankt sie dem Schweizer Steuerzahler, der vorübergehend mit einer Kapitalspritze von sechs Milliarden Franken (4,7 Milliarden Euro) einsprang.