Optimisten

Experten trauen Dax noch viel zu

Das Jahr 2011 ist ein gutes Aktienjahr. Die Aussage mag manch einen Anleger überraschen, sorgten doch Themen wie Griechenland und die schwächelnde US-Konjunktur in den vergangenen Wochen für ein kräftiges Auf und Ab der Kurse.

Doch zumindest der Blick auf den Deutschen Aktienindex (Dax) lässt keinen anderen Schluss zu. Das Leitbarometer stieg in den ersten sechs Monaten um gut fünf Prozent. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ist eine Rendite von acht Prozent gut möglich. Auch andere große Indizes bewegen sich in der Pluszone. Der europäische EuroStoxx50 immerhin 2,14 Prozent, der amerikanische S&P 500 gar 4,93 Prozent. Nur der japanische Nikkei liegt seit Jahresbeginn wegen der Folgen der Erdbebenkatastrophe 3,53 Prozent unter seinem Startwert 2010.

Pünktlich zur Jahresmitte haben wieder die Optimisten das Kommando übernommen. Die Bullen, wie sie in Anlehnung an das Symboltier für steigende Kurse genannt werden, versprühen so viel Zuversicht wie seit Ende 2010 nicht mehr. Viele einstige Bären, sprich Pessimisten, nehmen eine neutrale Position ein oder sind direkt ins Bullenlager übergelaufen. Das fanden die Experten von Cognitrend heraus. Sie fragen Woche für Woche 150 institutionelle Investoren nach ihrer Meinung.

Einer der größten Optimisten sitzt beim Analysehaus Silvia Quandt Research: "Selbst bei konservativen Annahmen in unserem Bewertungsmodell dürfte der Dax bis Jahresende auf ein neues Hoch von 8300 Punkten steigen", sagt Chefstratege Ralf Grönemeyer. Sollten Anleger von einer Lösung der Schuldenkrise ausgehen, seien noch höhere Niveaus möglich. Die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung habe zwar zugenommen, so Grönemeyer, allerdings stiegen die Prognosen für die Gewinne deutscher Unternehmen immer noch weiter.

Auch bei der Fondsgesellschaft HSBC Asset Management sieht man das Verhältnis von Unternehmensgewinnen zu aktuellen Kursen weiterhin in einem gesunden Verhältnis - sprich, aus Sicht der dortigen Experten sind die Notierungen noch nicht zu hoch. "Die Chancen auf einen deutlichen Kursgewinn bis zum Jahresende stehen gut", sagt Christian Heger, Chefanleger bei der Deutschlandtochter. Er erwartet den Dax bis Jahresende bei 7800 Punkten, was einer Rendite von zwölf Prozent auf Jahressicht entsprechen würde.

Da gilt Sal. Oppenheim mit seiner Prognose schon fast als vorsichtig. 7650 Punkte beim Dax, 2940 Punkte beim EuroStoxx sind die Zahlen, die die Deutsche-Bank-Tochter ausgibt. "Es besteht aus Risiko-Sicht keine Notwendigkeit, ein Engagement in Aktien stark abzubauen oder ganz darauf zu verzichten", sagt Anlagestratege Wolfgang Leoni. Deutschland bleibe die europäische Konjunkturlokomotive.

So viele positive Stimmen lassen manch einen Anleger schon wieder vorsichtig werden. Denn wer mit steigenden Kursen rechnet, hat sich bereits mit Aktien eingedeckt. Und wenn keiner mehr Aktien kauft, können die Kurse auch nicht mehr steigen. Einer der wenigen Pessimisten ist Heinrich Peters von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Das vor allem durch die Schwellenländer getriebene Wachstum der Weltwirtschaft schwäche sich zusehends ab, zumal viele Länder in Asien und Lateinamerika mit der Bekämpfung ihrer hohen Inflation beschäftigt seien. Höhere Zinsen könnten dort und damit auch in Exportnationen wie Deutschland schnell das Wachstum dämpfen.