Investoren

Schlammschlacht um das "Adlon"

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Norbert Schwaldt

Es braut sich was zusammen rund um Berlins berühmteste Hotelimmobilie. Eine Gruppe von unzufriedenen Anlegern will den Unternehmer Anno August Jagdfeld, Chef der Fundus-Gruppe, aus der Führung der Fondsgesellschaft des Berliner Nobel-Hotels "Adlon" drängen.

Etwa 200 der insgesamt 4400 vermögenden Privatinvestoren, die hohe Beträge in den Wiederaufbau des Luxus-Hotels am Pariser Platz gesteckt haben, wollen am 26. August Jagdfeld als persönlich haftenden Gesellschafter abwählen. Wie aus der Einladung zu einer Gesellschafterversammlung, die der "Berliner Morgenpost" vorliegt, hervorgeht, sieht die Tagesordnung eine Abstimmung über das Verbleiben Jagdfelds vor.

Anleger machen mobil

Eine vom Berliner Rechtsanwalt Thomas Fritsch organisierte Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger will anstelle von Jagdfeld eine "Grandhotel Lorenz A. Verwaltungsgesellschaft" installieren. Deren Geschäftsführer Burkhard Grunzke und Dietmar Thiele sollen dann die Verwaltung der Immobilie kontrollieren. Der Hotelbetrieb durch die Kempinski-Gruppe, mit der ein langjähriger Pachtvertrag besteht, ist davon nicht betroffen.

Grunzke und Thiele haben ihre Gesellschaft bereits in das Handelsregister eintragen lassen. Ob sie die Mehrzahl der Anleger überzeugen können und die Übernahme gelingt, ist jedoch offen. Beide Manager haben keine Erfahrung in der Luxus-Hotellerie. Grunzke ist Geschäftsführer des "Best Western Kanthotel" in der Berliner Kantstraße. Thiele ist Unternehmensberater in Potsdam.

Die Adlon-Opposition will sich den schon lange unter den Anlegern verbreiteten Unmut zunutze machen. Seit Jahren beklagen die Zeichner des Fonds den Pachtverzicht für die Adlon-Holding. Dieses Unternehmen wird von einem Sohn Jagdfelds geleitet und betreibt im "Adlon" Gastronomie-Betriebe, darunter den renommierten "China Club". Teure Umbauten und die Wirtschaftskrise hatten zu Umsatzausfällen geführt. Der zweite Hauptkritikpunkt ist der Ausfall von Ausschüttungen für die Anleger.

Wie auch bei anderen Problemfonds haben Anlegeranwälte ein leichtes Spiel, Mandanten einzuwerben. So soll der Berliner Anwalt Fritsch bereit mehr als 200 Adlon-Anleger vertreten. Fritsch verlangt allerdings einen Jahresbeitrag von 0,75 Prozent der Anlagesumme. Würde er alle Adlon-Anleger hinter sich bringen, kämen 1,6 Millionen Euro im Jahr zusammen. Andere Kanzleien buhlen ebenfalls um verunsicherte Anleger.

Seit Monaten tobt hinter den Kulissen eine Schlammschlacht. Es gibt einstweilige Verfügungen gegen Falschbehauptungen und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen. Der Jagdfeld-Gruppe werden "mafiaartige Strukturen" vorgeworfen, Anwalt Fritsch das "einträgliche Geschäft" mit den Mandanten. Das System Jagdfeld sei "eine unendliche Abfolge von In-sich-Geschäften mit seiner Familie und seinen Firmen", heißt es.

Kein Wunder, dass der Immobilien-Unternehmer jetzt in die Offensive geht. Immer wieder hatte es auch Misserfolge wie beim Berliner Bürokomplex "Pyramide" in Marzahn gegeben. Und für das "Grand Hotel Heiligendamm" im gleichnamigen Ostseebad werden gerade weitere Kapitalgeber gesucht. Jagdfeld gilt als Liebhaber historischer Liegenschaften, der gut, aber auch teuer baut. Lob von den Geldgebern gibt es dafür nicht.

"Bei manchen Anlegern haben sich Unmut und Enttäuschung entwickelt, für die ich menschlich sehr viel Verständnis habe. Ich kann die Kritik verstehen, wenn die Anleger auf ihre erwarteten Renditen pochen", sagte Jagdfeld der Berliner Morgenpost. Doch es sei sinnvoller, dass die Gewinne - aktuell mehr als 14 Millionen Euro - bis zum Jahr 2016 angespart würden, wenn die Umschuldung eines Kredits der Bank Credit Suisse im Volumen von 160 Millionen Euro anstehe.

Harter Hotelwettbewerb

"Ich haben den Anlegern vorgeschlagen, einige Jahre auf ihre Ausschüttungen zu verzichten", sagt Jagdfeld. "Das ist auch vom überwiegenden Großteil der Gesellschafter immer wieder so beschlossen worden. Wenn jetzt ein Diskussionsbedarf entstanden ist, dann kann man offen am 26. August darüber reden." Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe zu geringerer Auslastung geführt. Dies habe auch dem "Adlon" geschadet. Dadurch hätten der Hotelbetrieb und die Gastronomie einige Zeit nicht die erhofften Ergebnisse erzielen können, sagt Jagdfeld. "Hinzu kommt, dass in Berlin durch unerwartet zahlreiche Wettbewerber im Fünf-Sterne-Plus-Bereich ein erheblicher Preisdruck entstanden ist. In keiner europäischen Hauptstadt ist es günstiger, sich in ein Luxus-Hotel einzumieten."

Jagdfeld versprach, dass vom kommenden Jahr an die Adlon-Holding, die die gastronomischen Einrichtungen betreibt, wieder ihre festgelegte Pacht an die Fondsgesellschaft zahlen werde. "Die ausstehende Pacht der letzten Jahre soll im Rahmen eines Besserungsscheins nachgezahlt werden. Das war immer unstrittig und wird von den selbst ernannten Anlegerschützern falsch und rufschädigend dargestellt", sagt Jagdfeld. Er sieht sich als Opfer. "Rechtsanwalt Fritsch führt eine Rufmordkampagne gegen mich, trifft damit aber das ,Adlon' und seine Anleger", sagt Jagdfeld. "Der Vorwurf, nur meine Familie und meine Firmen hätten beim Neubau und Betrieb des ,Adlon' verdient, ist schlicht falsch."