Flugzeugbauer

Airbus lässt Boeing weit hinter sich

Die zivilen Flugzeugbauer sehen sich wieder im Aufwind. Auf der größten Luftfahrtmesse der Welt in Le Bourget bei Paris ist die Stimmung deutlich besser als noch vor zwei Jahren. So konnte der europäische Flugzeugbauer Airbus gleich mehrere Rekorde melden und seinen US-Rivalen Boeing deutlich abhängen.

Die EADS-Tochter verbuchte insgesamt 730 Aufträge im Wert von 72,2 Milliarden Dollar (50 Milliarden Euro), davon 418 feste Bestellungen. Das war deutlich mehr als während der Rekordmesse 2007 in Le Bourget. Boeing dagegen kam nur auf 142 Bestellungen und Absichtserklärungen im Wert von über 22 Milliarden Dollar, darunter 58 feste Orders.

Unbestrittener Star von Le Bourget war der A320Neo von Airbus, die neumotorisierte Version des erfolgreichen Mittelstreckenfliegers, die 2015 auf den Markt kommen soll und 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen soll als der aktuelle A320. Die Billigairline AirAsia aus Malaysia bestellte gleich 200 Stück im Wert von 18,5 Milliarden Dollar - der größte Einzelauftrag in der Airbus-Geschichte. Insgesamt verbuchte Airbus während der Fachbesuchertage der Messe 667 Aufträge für den Neo.

Damit ist das Programm das erfolgreichste in der Luftfahrt überhaupt, denn es kommt nur sieben Monate nach dem Start auf 1029 Bestellungen. Ein Erfolg, der selbst Airbus-Chef Thomas Enders überrascht. "Ich muss zugeben, dass ich selber sehr erstaunt bin, auch wenn ich dem Verwaltungsrat viele Bestellungen versprochen habe, als ich um grünes Licht für das Programm gebeten habe", sagte er. "Aber ich hätte damals nicht erwartet, dass der Neo ein solcher Bestseller wird."

Airbus will nun laut Enders prüfen, ob die Produktionsraten noch weiter als ohnehin geplant gesteigert werden können. Der Flugzeugbauer will die Fertigung des Mittelstreckenfliegers bis Ende 2012 von derzeit 36 auf 42 Maschinen pro Monat hochfahren. Davon wird Deutschland besonders profitieren, weil Hamburg das Zentrum für die A320-Familie ist. Hier werden der vordere und hintere Rumpf sowie die Kabine gebaut sowie die Maschinen endgültig montiert. An der Elbe sollen Ende 2012 jeden Monat 25 Maschinen fertiggestellt werden. Derzeit sind es 18,5, im französischen Toulouse 14,5 und in China drei.

Der Erfolg des Neo spielt auch deutschen Arbeitnehmervertretern in die Hände, die mit der Airbus-Führung über einen neuen sogenannten Zukunftstarifvertrag verhandeln. Sie fordern, dass darin Beschäftigungs- und Standortgarantien bis 2020 fixiert werden. Weil die Auftragsbücher bis dahin fast gefüllt sind, haben sie gute Argumente. Für Airbus Deutschland sind 16 400 Mitarbeiter tätig sowie 3600 Leiharbeiter. Die Airbus-Führung sträubt sich bislang gegen solch lange Jobgarantien. Enders fordert Flexibilität der Beschäftigten, um schnell auf Krisen- und Boomzeiten in der Luftfahrtbranche reagieren zu können.

Der Auftragsrekord des Neo setzt gleichzeitig den Konkurrenten Boeing unter Zugzwang. Das US-Unternehmen hat noch immer nicht entschieden, ob er seinen erfolgreichen Mittelstreckenflieger B737 ebenfalls in einer neumotorisierten Version anbieten oder 2020 ein komplett neues Nachfolgemodell auf den Markt bringen wird. Die Zeit drängt, denn selbst langjährige Kunden wie American Airlines liebäugeln inzwischen mit dem Neo von Airbus.