Marktbericht

Wolfsburger Machtgewinn

Noch nehmen die Aktionäre des Münchener Konzerns MAN das Pflichtangebot von VW nur zögerlich an. Bis Freitag konnten die Wolfsburger nur 0,67 Prozent der Stimmrechte einsammeln und hielten damit 31,14 Prozent.

Aber es sind auch noch fünf Tage Zeit, und erfahrungsgemäß wird es erst am letzten Tag der Annahmefrist hektisch. Das dürfte auch diesmal so sein. So gilt es durchaus als möglich, dass VW mit seiner Pflichtofferte die Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie erreicht. VW hatte als Etappenziel 35 bis 40 Prozent der Stimmrechte angegeben und daher auch auf einen bei Übernahmen üblichen Aufschlag verzichtet. Was angesichts des niedrigen Preises Aufsichtsrat und Vorstand von MAN dazu brachte, den Aktionären zu raten, ihre Papiere VW nicht anzudienen. Derzeit notiert das Papier unter 94 Euro, das Angebot liegt bei 95 Euro plus zwei Euro Dividende. Doch zuletzt wurden MAN-Papiere rege gehandelt, was ein Indiz dafür ist, dass VW doch noch bis Mittwoch die Mehrheit erlangen könnte.

Davor steht am Montag die MAN-Hauptversammlung an. Dort will VW die Macht übernehmen und fünf der acht Aufsichtsratsmitglieder der Kapitalseite stellen. Beobachter vermuten, dass es so kommen wird. VW will MAN mit dem Hersteller Scania zusammenfassen. Der Konzern verspricht sich Marktmacht und Milliardenersparnisse.