Handel

Bewegung im Outdoor-Markt

Um ein Haar wäre Manfred Hell Literaturprofessor geworden. Doch dann trat der Student der Germanistik, Komparatistik und Anglistik einen Aushilfsjob in einem Bonner Rucksackgeschäft an. Er fand Gefallen an wind- und wasserdichten Jacken, Zelten, Rucksäcken, Schlafsäcken und Wanderschuhen - und formte im Laufe der Jahre eine Marke, die mit ihrer Tatze im Logo zumindest in Deutschland fast omnipräsent ist: Jack Wolfskin.

Der mittlerweile 54-jährige Hell ist seit zwei Jahrzehnten in der Geschäftsführung von Jack Wolfskin und seit 2002 Miteigentümer mit einem, wie er es nennt, "merklichen Anteil". Die Rede ist von gut zehn Prozent. Ob er sich von seinem Aktienpaket trennt, ist unklar. Wolfskin jedoch, das mehrheitlich den Finanzinvestoren Barclays Private Equity und Quadriga Capital gehört, steht bereits seit geraumer Zeit zum Verkauf. Und es sieht so aus, als ob der Outdoor-Ausrüster an den nächsten Finanzinvestor weitergereicht würde: die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone.

Noch im April hatten Barclays und Quadriga die Gespräche mit Investoren ausgesetzt, weil niemand bereit war, geschätzte 800 Millionen Euro für Jack Wolfskin zu bezahlen. Nun soll Blackstone Marktgerüchten zufolge rund 700 Millionen Euro für das Unternehmen aus dem hessischen Idstein geboten haben. Wenn man bedenkt, dass Barclays und Quadriga vor fünf Jahren gerade einmal 90 Millionen Euro bezahlt haben, kann sich die Wertsteigerung sehen lassen. Überhaupt ist in die Branche Bewegung gekommen - nicht nur wegen Jack Wolfskin. So legt der US-Bekleidungskonzern VF, zu dem Marken wie The North Face, Eastpak, Wrangler und Lee gehören, zwei Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) für den Bergschuh- und Bekleidungshersteller Timberland auf den Tisch. VF bietet den Aktionären einen Aufschlag von 43 Prozent.

Europas größter Sporthändlerverbund Intersport schätzt den deutschen Outdoor-Markt auf 1,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund einem Drittel des europäischen Gesamtmarkts (5,9 Milliarden Euro). In diesem Jahr, heißt es bei Intersport, könnten in Deutschland noch weitere 100 oder 200 Millionen Euro an Umsatz hinzukommen. Binnen eines Jahrzehnts hat sich der Umsatz in Deutschland verdreifacht. Die Einkaufsgenossenschaft definiert Outdoor relativ eng. Die Zahlen verstünden sich "ohne Rad, Jagd, Fischen und Segeln".

Die Zeiten, da Outdoor gleichbedeutend mit Wandern und Kniebundhosen war, sind vorbei. Heute wird in Deutschland jeder fünfte Euro im Sportfachhandel mit Bergschuhen, Goretex-Jacken, die auch schon einmal 600 Euro kosten, Zelten und Rucksäcken gemacht. Die Branche meldet seit Jahren zweistellige Wachstumsraten. Der Grund: die Lust am Naturerlebnis. Allerdings tragen immer mehr Menschen Outdoor-Kleidung beispielsweise nicht nur beim Wandern in den Bergen, sondern zunehmend auch in der Fußgängerzone.

Im Outdoor-Bereich gibt es nicht die eine Marke, die den Markt beherrscht, sondern Dutzende von kleineren Firmen, die sich im Bereich von 100 bis 200 Millionen Euro Umsatz bewegen. Weltmarktführer ist die US-Marke The North Face, die zuletzt rund eine Milliarden Euro erlöste. In Europa ist Jack Wolfskin führend. Das hessische Unternehmen setzte im vergangenen Jahr rund 304 (2009: 251) Millionen Euro um.