Facebook

Die Gesichtskontrolle ist nur einen Klick entfernt

Die Betreiber des sozialen Netzwerks Facebook haben sich einmal mehr ungeschickt angestellt: Mitte der Woche führten sie, ohne es vorher groß anzukündigen, in Deutschland eine automatische Gesichtserkennung für Fotos ein, die die Nutzer hochladen.

Bisher konnten Facebook-Mitglieder Freunde und Bekannte auf Fotos markieren, neudeutsch heißt das taggen. Nun scannt das System jedes neue Bild auf bereits bekannte und getaggte Freunde eines Nutzers und macht dann einen Namensvorschlag. In diesem Fall genügt ein Klick, und der Freund ist fortan auf allen Fotos, auf denen er abgebildet ist, namentlich markiert. Das Feature ist bei jedem Nutzer automatisch eingeschaltet, wer es abstellen will, muss in die Tiefen der Facebook-Einstellungen abtauchen.

Wer glaubt, sich damit diesem Dienst gänzlich entziehen zu können, der irrt allerdings. Abschalten lässt sich nämlich nicht die Software an sich, sondern nur die Vorschlagsfunktion für Markierungen. Die Tagging-Informationen sind dann zwar nicht mehr für Dritte sichtbar, bleiben aber verschlüsselt bei Facebook gespeichert.

Dabei ist die Gesichtserkennung schon längst nicht mehr auf den Freundeskreis von Facebook-Nutzern beschränkt. "Die Fortschritte dieser Technologie sind erstaunlich - und gruselig", sagt selbst der scheidende Google-Chef Eric Schmidt. Er warnte ausdrücklich vor der orwellschen Vision einer weltweiten Datenbank für Gesichtserkennung und kündigte an, Google selbst werde einen solchen Service online nicht anbieten.

Auch Google-Kunden können längst ausprobieren, wie gut Gesichtserkennung auf dem eigenen PC mittlerweile funktioniert: Die Google-Software Picasa erkennt automatisch, dass ein Gesicht auf einem Foto zu sehen ist. Wer dann den passenden Namen dazu einträgt, dem schlägt Picasa automatisch vor, auf welchen Fotos die gesuchte Person außerdem noch zu sehen ist. Das Programm kann in Sekundenschnelle private Datenbanken mit Tausenden Bildern durchsuchen, mit jedem bestätigten Fund lernt der Suchalgorithmus dazu und wird treffsicherer.

Die Quelle des Bildmaterials ist irrelevant, Picasa durchsucht auf Kommando auch den Datenstrom einer Überwachungskamera auf bekannte Gesichter. Nur online suchen darf das Programm noch nicht, die Bilder müssen auf der eigenen Festplatte liegen. Ähnliche Funktionen bieten Fotoprogramme von Microsoft und Apple. Niemand weiß, ob Geheimdienste in Libyen und Syrien die Software mit Bildern von Überwachungskameras füttern, um Oppositionelle zu erkennen.

Mit steigender Prozessorleistung, besserer Software, schnellerer Mobilfunkanbindung und höherer Bildauflösung wird die Erkennung besser einsetzbar. Neuester Fortschritt ist der Einsatz von 3-D-Kameras, die die Tiefenstruktur eines Gesichts erfassen. Auch diese Technik ist bereits im heimischen Wohnzimmer nutzbar, beispielsweise kann Microsofts Spielkonsole zuverlässig mehrere Spieler vor dem Fernseher unterscheiden.

Wie unheimlich die Technik werden kann, beweist die brasilianische Militärpolizei: Seit Ende Mai sind Polizisten mit einer speziellen Brille im Einsatz. Die eingebaute doppelte Kamera nimmt Gesichter aus verschiedenen Blickwinkeln auf, misst Abstand und Winkel zwischen Augen und Nasenspitze und gleicht die Daten mit der Fahndungsdatenbank im Rucksack ab. Um dieser Technik auszuweichen, reicht eine Perücke nicht mehr aus, und Infrarotkameras blicken auch durch Sonnenbrillen.

Bis zur Fußball-WM 2014 wollen die Brasilianer die Technik einsatzbereit haben, um Terroristen, aber auch Hooligans aus Menschenmassen in den Stadien herauszufischen. Bei der Vorstellung des Systems kündigte der zuständige Polizeimajor an, die Technik auch in Überwachungskameras zu installieren. Polizeichefs in aller Welt werden genau verfolgen, wie erfolgreich er damit ist.