Handel

Nicolas Berggruen will nicht von Karstadt lassen

Es war sicher Zufall, dass aus dem deutschen Warenhausmarkt diese beiden Nachrichten fast zeitgleich kamen: Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen versichert in einem Interview abermals, die Kette nicht verkaufen zu wollen - und Konkurrent Kaufhof kündigt an, 2012 vier Häuser zu schließen.

Was ist da los, haben sich die Kräfteverhältnisse auf dem deutschen Warenhausmarkt über Nacht verschoben? Ist plötzlich Karstadt stark und Kaufhof schwach?

Nein, nichts hat sich verschoben. Kaufhof tut nur, was es immer schon getan und Karstadt zu lange versäumt hat: Problemstandorte, die auf Dauer kein Geld verdienen, zu schließen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Das ist üblicherweise der Fall, wenn die Mietverträge auslaufen. Vor wenigen Monaten erst hat Kaufhof ein ähnliches Programm abgeschlossen, bei dem - ohne großes öffentliches Aufsehen - ebenfalls vier Filialen schlossen.

Diese Standortpolitik ist aus Sicht des Unternehmens konsequent und richtig. Denn der deutsche Warenhausmarkt ist zu eng geworden für die mehr als 200 Warenhäuser, die Kaufhof und Karstadt in Deutschland betreiben. Der Großteil der Kundschaft kauft lieber bei Fachmarktketten, Discountern oder im Internet.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Treueschwur von Berggruen für seine 120 Karstadt-Häuser umso befremdlicher. Denn seine Kette ist nun mal wesentlicher Teil des überbesetzten Marktes. Und ausgerechnet er denkt nicht darüber nach, ob er an der überfälligen Bereinigung teilnehmen kann oder gar muss? Das kann man glauben, muss es aber nicht.

Sehr hohe Erwartungen

Das gilt gleichermaßen für sein Versprechen, "mehrere Hundert Millionen Euro" in die Kette investieren zu wollen. Die hat dieses Geld tatsächlich bitter nötig. Doch derlei Finanzspritzen kündigt Berggruen seit mehr als einem Jahr an. Seit der Übernahme im Oktober 2010 hat er den Worten aber keine Taten folgen lassen. Nicht einmal ein Konzept ist bekannt. Seit Monaten ist es angekündigt, jetzt für Juli. Die Erwartungen an den "großen Wurf" sind inzwischen sehr hoch, ebenso ist es die Gefahr, dass der Markt enttäuscht wird. Das wäre fatal. Denn vom Erfolg des Konzeptes dürfte auch die mittelfristige Planung des Investors Berggruen abhängen - da kann er von langfristigen Strategien erzählen, so viel er will.

Doch selbst angenommen, er wollte Karstadt über Jahrzehnte behalten - außerhalb seines Einflussbereiches tun sich Dinge, die nicht gut sind für die Kette. Highstreet, der wichtigste Vermieter, verkauft eine Karstadt-Immobilie nach der anderen. Die neuen Eigentümer - erfahrene Immobilienunternehmen - übernehmen auch die langfristigen Mietverträge mit Karstadt, doch irgendwann laufen die aus. Und dann stellt sich die Frage, ob die Hauseigentümer weiter mit der Wackelkette zusammenarbeiten wollen oder ob es nicht sicherere und lukrativere Alternativen gibt. Solche Immobilienprofis haben für die Nutzung immer einen Plan B oder gar C in der Schublade, bevor sie investieren. Und falls sie diese Pläne ziehen, ist Karstadt an so wichtigen Plätzen wie Münchens oder Hamburgs Innenstadt draußen. Spätestens dann nutzen auch die Treueschwüre Berggruens nichts mehr.