Fehlerhafte Abrechnungen

Ergo Versicherung muss Kunden Millionen zahlen

Was schiefgehen kann, geht auch schief. Mit dieser Lebensweisheit fatalistischer Zeitgenossen macht die Ergo Versicherungsgruppe gerade sehr praktische Bekanntschaft. Erst wurde eine wilde Sex-Party der Vertreter ihrer Tochter Hamburg-Mannheimer in Budapest bekannt, dann tauchten Fotos von peinlichen Trinkspielen auf, und dann wurde bekannt, dass die Hamburg-Mannheimer obendrein Kunden um einen Teil ihrer Lebensversicherungserträge geprellt hat.

Und als ob das noch nicht genug wäre, leistete sich die Ergo auch noch eine handfeste Kommunikationspanne: Den Fehler bei den Lebensversicherungen dementierte sie erst entschieden - um wenige Stunden später zuzugeben, dass die Gruppe den Kunden tatsächlich eine erhebliche Summe nachzahlen muss, möglicherweise gar einen dreistelligen Millionenbetrag.

Der Grund für die Nachzahlungen liegt in einem Fehler aus dem Jahr 2005: Bei Lebensversicherungen der Hamburg-Mannheimer wurden den Kunden damals teilweise höhere Verwaltungskosten abgezogen, als im Vertrag vereinbart. Spekulationen zufolge sollen 70 000 Versicherte betroffen sein, denen bis zu 160 Millionen Euro entgangen sind, was im Umfeld des Unternehmens als "höchstwahrscheinlich überzogen" bezeichnet wird.

Ergo selbst kann bisher weder sagen, wie viele Kunden betroffen sind, noch um welchen Betrag sie geprellt wurden. Den Fehler selbst gibt der Konzern jetzt zu: "Im Jahr 2005 scheinen fehlerhafte Antragsunterlagen verwendet worden zu sein, bei dem die Kostensätze im Antrag nicht aktualisiert wurden." Einige Zeit davor hatte Ergo entsprechend Medienberichte dementiert - und das, obwohl die Vorwürfe dem Versicherer bereits seit Mitte April bekannt waren. Wie viel Geld die Kunden genau bekommen, ist noch offen. Der Konzern will sich nicht festlegen, ob die gesamte Differenz erstattet wird.

Verbraucherschützer fordern genau das: "Da gibt es keinen Spielraum, der Antrag, den der Kunde unterschrieben hat, muss gelten", sagte Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied des Bundes der Versicherten. Auch Zinsverluste für die Kunden müssten berücksichtigt werden. Verbrauchern empfahl er, die Angelegenheit im Zweifel durch die Finanzaufsicht BaFin prüfen zu lassen. Die Bonner Behörde hat die Ergo bereits um eine Stellungnahme zu der Panne bei der Hamburg-Mannheimer gebeten.