Rabatt-Portal Groupon

Teurer Schnäppchendienst

Das rasant wachsende Internet-Schnäppchenportal Groupon hat seine Börsenpläne offiziell gemacht. Bis zu 750 Millionen Dollar oder umgerechnet rund 520 Millionen Euro will der Senkrechtstarter bei den Anlegern einsammeln.

Damit liefert Groupon einen der größten Börsengänge des Jahres ab. Um das Datum und den Stückpreis für die einzelne Aktie macht die Firma noch ein Geheimnis, so dass noch nicht klar ist, wie hoch das Unternehmen bewertet werden soll. Sicher dürfte aber sein, dass es sich die Aktien teuer bezahlen lässt. Denn der Börsengang fällt in die Zeit eines neuen Internet-Hypes.

Groupon bringt Verbraucher im Internet zusammen, die am Kauf bestimmter Produkte oder Dienstleistungen interessiert sind, und sichert ihnen damit Rabatte bei Händlern oder Herstellern. Groupon selbst kassiert dafür eine Provision. Das Geschäftsmodell ist so erfolgreich, dass sich immer mehr Nachahmer finden. So zieht Google einen eigenen Schnäppchen-Dienst namens "Google Offers" auf. Google ist damit allerdings spät dran: Groupon gibt es seit November 2009.

Wie schnell Groupon wächst, verriet die Firma erstmals in ihrem Börsenprospekt: Im zweiten Quartal 2009, kurz nach dem Start, lag der Umsatz gerade mal bei gut drei Mio. Dollar. Im ersten Quartal dieses Jahres erwirtschaftete Groupon schon annähernd 645 Millionen Dollar. Die Zahl der Nutzer wuchs in der gleichen Zeit von 152 000 auf mehr als 83 Millionen. Und statt nur in Nordamerika präsent zu sein, gibt es Groupon mittlerweile in 43 Ländern, auch in Deutschland. Doch noch schreibt das Unternehmen Verluste, im vergangenen Quartal satte 146 Millionen Dollar. Denn das rasante Wachstum kostet Geld. Mehr als 7100 Menschen arbeiten mittlerweile für das Portal und forschen nach den besten Angeboten. 400 Mitarbeiter kümmern sich in Berlin um das Deutschlandgeschäft.

Einen Rabatt beim Börsengang, soviel dürfte sicher sein, werden die gewieften Schnäppchenjäger aber nicht gewähren. Im April hieß es, Groupon könnte bei einem Börsengang mit 15 bis 20 Milliarden Dollar bewertet werden. Inzwischen könnte der Wert aber sogar noch gestiegen sein. Denn die Anleger reißen sich derzeit um Internetfirmen. So war vor rund zwei Wochen die Aktie des beruflichen Online-Netzwerks LinkedIn an ihrem ersten Tag an der Börse wie eine Rakete abgegangen und hatte ihren Wert in der Spitze fast verdreifacht. Dieses Unternehmen hat mit aktuell 7,5 Milliarden Dollar einen Wert wie der Baukonzern Hochtief. Wenn für Groupon das Doppelte veranschlagt wird, so würde die junge Firma damit in der Liga des weltweit zweitgrößten Sportartikel-Herstellers Adidas mitspielen.

Die Summen steigen und steigen und viele Beobachter fürchten schon eine neue Internet-Blase, die dann auch ganz so wie zu Zeiten der New Economy um die Jahrtausendwende schnell platzen könnte. Groupon-Gründer und Firmenchef Andrew Mason hatte erst vor einem halben Jahr ein sechs Milliarden Dollar schweres Kaufangebot des Internetgiganten Google abgelehnt und erntete dafür vielerorts Kopfschütteln. Doch das Warten scheint sich gelohnt zu haben. Mason ist einer der Großaktionäre von Groupon, hinter dem eine ganze Reihe von Investoren stecken, die mit ihrem Geld das steile Wachstum erst ermöglicht haben. Sie wollen nun Kasse machen.