Personalien

Ein Finanzfachmann übernimmt bei BASF

Wer Kurt Bock kennenlernt, ist vielleicht zunächst ein wenig erstaunt: Dieser ruhige, große, dünne Westfale könnte vielleicht Hochschulprofessor sein oder Entwicklungsingenieur. Aber um Chef des größten Chemiekonzerns der Welt zu werden, muss ein Manager einen gnadenlosen Wettbewerb bestehen.

Er darf keine Fehler machen, muss wie ein Politiker Mehrheiten für sich organisieren und die Wahlmänner des Aufsichtsrates ebenso überzeugen wie Analysten, Investmentbanker und seine Vorstandskollegen. Kurt Bock aber tritt so locker auf und so zurückhaltend, dass er fast als das Gegenteil seines Vorgängers Jürgen Hambrecht gelten könnte.

Am Freitag übernahm Bock auf der Hauptversammlung in Mannheim den Chefposten, zuvor saß er ein letztes Mal als Finanzvorstand auf dem Podium. Er scherzte mit seinem Vorstandskollegen Stefan Marcinowski, beklatschte die Abschiedsrede von Hambrecht, kurz: Er strahlte das Selbstbewusstsein und die Gelassenheit eines Mannes aus, der nichts mehr beweisen muss: Bock hat das Rennen um die Spitze gewonnen, und das aus einer Außenseiterposition heraus.

Aus dem Umfeld des BASF-Aufsichtsrates heißt es geradeheraus: "Lange war Martin Brudermüller der Favorit." Der intern beliebte Manager schien in vielerlei Hinsicht vorn zu liegen: Brudermüller trat vor der Entscheidung über die Chafnachfolge im Frühjahr 2010 sehr selbstbewusst auf, wo Bock sich eher zurückhielt; Brudermüller ist Chef des boomenden BASF-Asiengeschäfts, Bock leitete die weniger glamouröse US-Tochter. Und Brudermüller ist Chemiker, Bock nicht.

Doch er hat aus Sicht des Aufsichtsrates andere Qualitäten - seine Zurückhaltung dürfte dem mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Eggert Voscherau zupasskommen. Zudem beherrscht der Finanzspezialist Bock die Sprache der Analysten, er kennt die Welt der Investmentbanker aus seiner Zeit in New York genau. Das ist viel wert in einer Zeit, in der auch große Konzerne zusehends von kurzfristigen Erwartungen ihrer Investoren getrieben werden.

Bock krönt mit dem Chefposten seine Karriere, die er 1985 nach der Betriebswirtschafts-Promotion als Controller bei BASF in Ludwigshafen begann. Von 1992 bis 1998 arbeitete er für Bosch, kehrte dann aber zurück. 2003 wurde er BASF-Finanzvorstand, seit 2007 leitete er zusätzlich die US-Tochter.

Unliebsame Überraschungen für die Belegschaft dürfte es vorerst nicht geben. Was er ändern will an der Konzernstrategie? "Nicht viel, wir sind derzeit sehr gut aufgestellt", sagt Bock. "Wer Bock kennt, weiß, dass er für Kontinuität sorgt", sagt Betriebsratschef Robert Oswald. Für ihn ist am wichtigsten, dass sich Bock zu den deutschen Standorten bekannt hat.

Doch wer annimmt, dass unter Bock alles weiterläuft wie bisher, liegt falsch. "Bock wird sicher eigene Akzente setzen - gelassen und unaufgeregt, aber mit Nachdruck, wo es nötig wird", sagt Oswald. Dazu gehört eine vorsichtige Umorientierung, weg von Massenprodukten, hin zur weniger konjunkturabhängigen Spezialchemie, zu Lebensmitteln und Biotech.