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Bahn droht neues Hitze- und Frost-Chaos

Schick sieht sie aus, die neueste Generation des ICE 2. Rund 100 Mio. Euro investiert die Deutsche Bahn (DB), um die 44 Fernzüge dieser Reihe bis 2013 kräftig aufzuhübschen. Die Einstiegsbereiche sind moderner gestaltet, die Bodenbeläge neu, die Sitze ebenfalls. Wer es sich jetzt gemütlich macht, klappt die Lehne dem Hintermann nicht mehr direkt vor die Nase.

Und für die deutlich größeren Tischchen am Platz ist auch noch genug Platz. "Aber das Beste sind die Gondeln da oben, das ist Kundenservice pur", schwärmt ein Bahnmanager auf dem Rundgang durch den neuen Zug, der schön aufpoliert vor der Halle des ICE-Werks in Rummelsburg steht. Er meint die Anzeigen an der Decke, die die Fahrstrecke, gegebenenfalls Verspätungen und erreichbare Anschlusszüge anzeigen. Eines allerdings kann die Bahn auch weiterhin nicht versprechen: Dass künftig auch diese Fernzüge reibungslos fahren. Im Gegenteil: Den Kunden drohen erneut ein heißer Bahn-Sommer und wohl die ein oder andere Odyssee im kommenden Winter.

Keine Hoffnung für S-Bahn Berlin

Das Problem mit den Klimaanlagen lässt sich aller Anstrengungen zum Trotz kurzfristig ebenso wenig in den Griff bekommen, wie das der Weichen, die bei Frost den Dienst versagen. "Es wird auch diesmal in der heißen Jahreszeit Ausfälle bei den Klimaanlagen geben", kündigte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg an. Die Ausfallquote werde allerdings geringer sein als im vergangenen Jahr. "Auch wenn es schneit, werden wir weiter Probleme haben. Dagegen gibt es kein Allheilmittel", ergänzte Technikvorstand Volker Kefer. Allerdings versucht der Konzern inzwischen mit Milliardenaufwand, die Mängel abzustellen. Die S-Bahn Berlin, genauer ihren Wagenpark, haben die Bahnmanager dagegen aufgegeben. Zwar werde alles getan, um die mit Mängel behafteten Baureihen 480, 481 und 485 instand zu setzen. "Wir führen eine Materialschlacht, dennoch gehe ich nicht von einer dauerhaften Gesundung aus", sagte Homburg. "Die Züge der Berliner S-Bahn werden wohl bis zum Ende nie mehr mit der Höchstgeschwindigkeit von hundert Stundenkilometern fahren, wofür sie ausgelegt waren." Nun peile man wenigstens Tempo 80 an. Die zwei Jahre dauernde Krise der S-Bahn hat dem Konzern bislang Kosten von rund 400 Mio. Euro verursacht.

Für den Fernverkehr ist der Vorstand optimistischer: Allein 1,6 Milliarden Euro gibt die Bahn bis 2015 aus, um endlich wieder genug Züge im Langstreckenverkehr auf die Schienen bringen zu können. Die Fahrzeugmangel ist eines der größten Defizite seit zwei, drei Jahren. Fällt ein Zug wegen Mängeln aus, gibt es kaum Ersatz - damit gerät der Fahrplan aus dem Takt. Deshalb wird die Flotte aufgestockt. "Wir beschaffen in diesem Jahr 15 IC-Wagen aus der Schweiz und mieten weitere neun IC-Garnituren aus dem Ausland an sowie einen TGV-Zug der Franzosen", sagte Homburg. Bei den Zügen der Reihen ICE 3 und ICE T beginnt ab diesem Jahr bzw. 2012 der Wechsel der Achsen. Seit dem Bruch einer ICE-Achse im Sommer 2008 im Kölner Hauptbahnhof müssen diese Züge im Durchschnitt alle zwei bis drei Wochen zu zeitaufwändigen Sonderchecks in die Depots, seither fährt die Bahn nur noch mit einer stark ausgedünnten Fernzugflotte.

Doch der häufig beklagte Zugmangel ist nicht das größte Problem im Fernverkehr. "Schwierigkeiten haben wir vor allem, weil sich Züge, die zur Inspektion müssen, bisweilen vor den ICE-Werken stauen. Dass 30 bis 40 vor den Toren warten, ist bereits vorgekommen", klagt ein Bahnmanager. "Uns fehlen schlicht Instandhaltungskapazitäten." Um die aufzustocken, wird in zusätzliche Anlagen investiert, dazu zählen Vorrichtungen zur Enteisung oder weitere Werkstattgleise, die für umfangreiche Arbeiten nötig sind. Bestehende ICE-Werke, beispielsweise in Berlin, sollen ausgebaut werden.

Im Fall der 3300 Klimaanlagen in den Fernzüge der Bahn, die gerade beim ICE 2 im vergangenen Sommer mehrfach ausgefallen waren, gibt es adhoc keine Lösung. Es sei zwar eine Reihe kurzfristiger Abhilfemaßnahmen eingeleitet worden, aber die Nachrüstung der Anlagen wird sich nach Homburgs Worten bis zum Abschluss der Überholung aller ICE-2-Züge im Juni 2013 hinziehen. Der Prozess könne nicht beschleunigt werden, weil "uns die Industrie diesmal ausführlich nachweisen muss, dass die Geräte einwandfrei funktionieren", so der Vorstand. Und das dauert. Letztlich sollen die Geräte für Außentemperaturen bis 46 Grad ausgelegt sein. "Züge bei denen in mehreren Wagen die Klimaanlagen nicht funktionieren, werden bis dahin nicht mehr eingesetzt", versicherte Homburg.

Weichen größtes Winterproblem

Ähnlich zweiaufwändig wird es sein, die Winterprobleme in den Griff zu bekommen. Nachdem es im vergangenen Winter an schneereichen und frostigen Tagen erneut zu massiven Störungen gekommen war, weiß man bei der Bahn immerhin, was das grundlegende Übel ist: Es sind weniger die Züge selbst oder eingefrorene Oberleitungen, sondern zahllose Weichen, die bei starkem Schneefall, vor allem aber durch Eisblöcke, die von den Zügen fallen, blockiert werden. Das Problem lasse sich weder durch Weichenheizungen noch durch andere Maßnahmen endgültig beheben. Die Bahn versuche aber, mit kurzfristigen Verbesserungen bei der Behebung von Störungen für Erleichterung zu sorgen. "Allerdings ist mittelfristig die Umsetzung einer ganzen Reihe von Maßnahmen nötig", so Kefer. Die Nachrüstung von Weichenheizungen gehört dazu. Aber letztlich sei auch mehr Personal nötig, dass die Weichen bei Bedarf freimache.