Fernsehen

ARD und ZDF planen Pay-TV-Videothek

Erst vor kurzem wurde bekannt, dass das ZDF Anfang Mai einen neuen Kultur-Spartenkanal startet. Nun gab ZDF-Indendant Markus Schächter jedoch schon sein nächstes Projekt bekannt.

Gebührengelder gespart werden sollen beim Sender auch diesmal nicht, denn es gehe, so der Chef des Zweiten, "um die Perspektive, großes Geld im Video-on-Demand-Bereich zu verdienen". In dieser Woche erst waren die beiden großen deutschen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aufgrund ihrer aufwendigen Simultan-Übertragung der britischen Hochzeitsfeierlichkeiten in die Kritik geraten. Nun reizt Schächter private Medienunternehmen erneut. Sein Sender will mit der ARD einen nicht genauer definierten "siebenstelligen Betrag" in eine kommerzielle Onlinevideothek investieren, die vermutlich im Jahr 2012 nicht etwa dem Gebührenzahler, sondern dem extra zahlenden Nutzer "Qualitätsinhalte aus 60 Jahren deutscher Fernsehgeschichte" liefern soll.

Gestemmt werden soll das Mammutprojekt, das auf den Namen "Germany's Gold" hört und als Pay-TV durch die Hintertür zu verstehen ist, gemeinsam mit deutschen Film- und Fernsehproduktionsfirmen. Besonders befremdlich scheint das Unterfangen auch deswegen, weil eine ähnliche Video-on-Demand-Plattform der Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 kürzlich vor dem Bundeskartellamt gescheitert ist. Juristisch scheint das neue Projekt der Öffentlich-Rechtlichen jedoch klar. ZDF und ARD nutzen die Dienste ihrer eigenen kommerziellen Tochterfirmen "ZDF Enterprises" und "WDR Mediagroup", die den neuen Deal stemmen sollen. Ihnen ist es laut EU-Kommission erlaubt, privatwirtschaftliche Aktivitäten zu betreiben.

Verbandsvertreter in Berlin zeigten sich befremdet über das Vorhaben: "Es ist erstaunlich, mit welcher Nonchalance ARD und ZDF dieses Projekt angehen. Es scheint, als wären drei Jahre Debatte darüber, was mit den Mitteln der Gebührenzahler im Netz finanziert werden darf, spurlos an ihnen vorübergegangen. Dabei fehlt es wahrlich nicht an einer Vielfalt von privaten Konkurrenzangeboten", kommentiert Guido Brinkel, Medienexperte des Verbandes der Internetwirtschaft Bitkom: "Die öffentlich-rechtlichen Sender können mit diesem Projekt ihr riesiges, gebührenfinanziertes Materialarchiv im Netz verwerten. Damit entsteht eine massive Wettbewerbsverzerrung gegenüber privaten Anbietern, die Content teuer einkaufen müssen."

Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), mahnt ARD und ZDF, sich auf ihren eigentlichen Auftrag zu konzentrieren, anstatt im Netz neue Einnahmequellen zu heben: "Das ZDF setzt mit dieser Ankündigung seine unrühmliche Serie der letzten Wochen nahtlos fort: Erwerb teurer Sportrechte, Parallelausstrahlungen mit der ARD oder die Aushebelung von Sponsoring- und Online-Werbeverboten. Kommerzielle Tätigkeiten bei ARD und ZDF unterliegen - auch aus Brüssel - strikten Auflagen zu absoluter Transparenz und können nicht durch die Hintertür die Grenzen des Auftrags verschieben." Da bisher keine Finanzierungs-Details des Videothekenplans bekannt sind, fordert Doetz Kartellamt und Rechtsaufsicht zu Wachsamkeit auf: "Startet das Projekt und die vermeintlichen "Goldquellen" sprudeln nur so, müsste es dem ZDF auch ein Leichtes sein, auf Werbung zu verzichten und die Gebühren zu senken."

Auch liberale Medienpolitiker zeigten sich wenig erfreut über den Vorstoß: Jimmy Schulz, Medienexperte der FDP und Obmann im Unterausschuss Neue Medien im Bundestag, erregt sich: "Die ignorieren die gesamte Diskussion der letzten Jahre. Es ist eine Frechheit, jetzt noch einmal Geld für Archivmaterial kassieren zu wollen, für das die Gebührenzahler bereits gezahlt haben." Das gehe so auf keinen Fall durch.