Ausbildung

Unterbezahlt und ausgenutzt

Viele Auszubildende, die einmal in handwerklichen Berufen und auf dem Bau arbeiten werden, sind offenbar bereits vor dem Start in das Berufsleben desillusioniert. Die Mehrzahl der Lehrlinge fühlt sich ausgenutzt: Sie klagen über geringe Bezahlung, zu wenig Freizeit und unsichere Beschäftigungsverhältnisse, wie eine Umfrage der Gewerkschaft IG Bau unter 3500 Lehrlingen ergab.

Die Auszubildenden sind überwiegend überzeugt davon, dass sie nach der Ausbildung auch übernommen werden. Gleichzeitig rechnen die meisten mit einem unsichereren Arbeitsplatz: Fast vier von fünf Lehrlingen erwarten, dass es in Zukunft mehr befristete Verträge gibt. Besonders pessimistisch sind die jungen Berufsstarter bei der Bezahlung. So finden sie, dass die Löhne im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten zu niedrig sind: Gut 60 Prozent der Auszubildenden schätzen, dass die Lebenshaltungskosten auch künftig schneller steigen als ihre Löhne.

Auch für die Zukunft sind die Auszubildenden nicht positiv gestimmt: Das Gros erwartet, dass sie auch nach dem Abschluss ihrer Ausbildung nicht genug verdienen werden. Zwei Drittel der Befragten rechnen damit, dass der Lohn allein nicht zum Leben reichen dürfte. Und gut die Hälfte glaubt sogar, dass sie in Zukunft mehrere Arbeitsstellen benötigen werden, um nicht auf Unterstützung durch Hartz IV angewiesen zu sein.

Offenbar sind die künftigen Handwerker und Bauarbeiter gleichzeitig sehr leistungsbereit: Fast 90 Prozent stellen an sich selbst den Anspruch, immer flexibel zu sein, weil das vom Arbeitgeber verlangt werde. Der überwiegende Teil erwartet aber auch deswegen, künftig weniger Freizeit zu haben.

Die Mehrzahl der 3500 Befragten ist zwischen 17 und 22 Jahre alt. An der Untersuchung nahmen vor allem Auszubildende aus Branchen der IG Bau teil: Dachdecker, Gebäudereiniger, Maurer, Straßenbauer, Maler und Lackierer.