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Ölkonzern BP verklagt ehemalige Partner

BP will auf den gigantischen Kosten durch die Ölpest im Golf von Mexiko nicht alleine sitzen bleiben. Ein Jahr nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor der Südküste der Vereinigten Staaten hat der britische Ölkonzern jetzt den Betreiber der Anlage, die Schweizer Transocean, und den US-Zementhersteller Halliburton verklagt - auf jeweils mehr als 40 Milliarden Dollar Schadenersatz (27,5 Milliarden Euro).

Die Klagen reichte der Konzern bei einem Bundesgericht in New Orleans ein. BP wirft den Unternehmen vor, zumindest mit schuld zu sein an der Umweltkatastrophe, bei der mehr als 780 Millionen Liter Öl unkontrolliert ins Meer flossen und Strände von vier US-Bundesstaaten auf mehreren Hundert Kilometer verschmutzt wurden.

Transocean handelte aus Sicht von BP fahrlässig. Die Ölplattform sei nicht seetauglich gewesen, jede einzelne Sicherheitsvorrichtung habe am 20. April 2010 versagt. Halliburton habe wissentlich wichtige Informationen verschwiegen, die das Desaster hätten verhindern können, hieß es in den Klagen. Halliburton lieferte den Zement, mit dem das Bohrloch am Meeresboden einbetoniert war.

Transocean wies die Vorwürfe als "fadenscheinig und unverschämt" zurück. Es handle sich um einen verzweifelten Versuch des britischen Konzerns, der Verantwortung für die Verschmutzung und die entstandenen Kosten zu entgehen. BP nannte in der Klage gegen Halliburton keinen konkreten Streitwert, erklärte aber, die Erstattung der gesamten Kosten zu fordern, die durch die Ölpest entstanden seien. Diese hat das Unternehmen auf bislang 42 Milliarden Dollar beziffert. Hinzu kämen Zinsen, Gerichtskosten und Bußgeld, hieß es bei BP.

BP geht auch rechtlich gegen den Geschäftspartner Cameron International vor. Die Briten begründen dies damit, dass ein Absperrventil der Firma, das den Ölaustritt im Fall einer Havarie verhindern sollte, nicht funktioniert hat. Experten geben dem britischen Konzern wenig Erfolgschancen. Sie rechnen mit außergerichtlichen Einigungen.

BP hat wiederholt versucht, die Schuld an der Katastrophe auf andere Unternehmen abzuwälzen. Die US-Regierung tadelte in einem Untersuchungsbericht zwar auch BPs Geschäftspartner, sieht die Hauptlast aber bei den Briten.

Im vergangenen Sommer hatte BP einen Entschädigungsfonds im Wert von 20 Milliarden Dollar aufgelegt. Dieser soll Geschädigten zugutekommen, darunter Krabbenfischer. Der Konzern will so Klagen abwenden. Viele Unternehmen verzichteten dennoch nicht darauf, gegen die Briten vorzugehen. So hat zum Beispiel auch Halliburton seinerseits Klage gegen BP eingereicht.

Die Ölpest im Golf von Mexiko zählt zu den größten Umweltkatastrophen aller Zeiten. Bei der Explosion der Plattform starben elf Menschen. Gut drei Monate gelang es den Einsatzkräften trotz eines Großaufgebots von fast 50 000 Arbeitern und 7000 Schiffen zum Höhepunkt der Katastrophe nicht, den Ölfluss zu stoppen. Inzwischen kehrt bei vielen Fischern und Hotelbetreibern nach und nach wieder der Alltag ein. Doch niemand kann sicher sagen, was die langfristigen Folgen für das komplexe Ökosystem sein werden.

"Noch immer wird Öl an unseren Stränden und den Inseln angeschwemmt", sagte Craig Moore, Kapitän eines Charterboots in Mississippi. "Aber jetzt, wo die Medien weg sind, ist von dem BP-Aufwand nichts mehr zu sehen - und von unserer Lebensgrundlage auch nicht."