Verbraucher

Kartellamt droht Banken wegen Abhebegebühr

Das Bundeskartellamt erhöht im Streit um die Gebühren für das Geldabheben an fremden Automaten den Druck auf die Kreditinstitute. "Wir befragen mehr als 500 Kreditinstitute aus dem Sparkassen- und Genossenschaftssektor, um die Effekte des direkten Kundenentgelts zu untersuchen", sagte ein Sprecher.

Die Behörde setzt dabei den Instituten, die von Kunden anderer Geldhäuser zum Teil immer noch bis zu zehn Euro pro Geldabheben verlangen, ein Ultimatum von sechs Monaten. Und greift dann gegebenenfalls ein.

Seit dem 15. Januar erfährt der Kunde nicht erst auf seinem Kontoauszug, sondern direkt am Automaten die Höhe der Gebühr. Er kann selbst entscheiden, ob er zahlen will oder den Vorgang abbricht und zu einem anderen Automaten geht. Stimmt er zu, wird ihm der Betrag direkt abgebucht. Mit der Neuerung senkten viele Banken tatsächlich die Gebühren. Einige Häuser verlangen jetzt statt 15 Euro weniger als fünf Euro.

Doch wie eine Auswertung der Internetseite finanzversteher.de der ING-Diba zeigt, gibt es Geldhäuser, die weiterhin vor zehn Euro pro Fremdabhebung nicht zurückschrecken. Auf der Liste stehen Genossenschaftsbanken und auch die privaten Geldautomatenspezialisten Intercard, BIW Bank und das Bankhaus August Lenz, die eigene Automatennetze betreiben und sich nicht der Vereinbarung der privaten Banken, wie Deutsche Bank und Commerzbank, angeschlossen hatten, die seit Mitte Januar einheitlich 1,95 Euro von bankfremden Kunden verlangen. Die ersten Sparkassen tauchen in der Stichprobe mit einem Betrag von 7,50 Euro auf. Die Liste zeigt allerdings nur die höchsten Entgelte, die bei Kunden der Direktbank seit dem 25. März abgebucht wurden.

Das Kartellamt hatte schon im Sommer 2010 in einem Schreiben an den Zentralen Kreditausschuss, die Dachorganisation des Kreditgewerbes, unmissverständlich deutlich gemacht, wo sie die Preise künftig erwartet. Fünf Euro, wie damals als Obergrenze diskutiert, seien um das Fünf- bis Fünfzehnfache über den Gebühren, die sich Sparkassen und Genossenschaftsbanken innerhalb ihrer Verbünde berechneten, und "nicht hinnehmbar".

Von den 55 000 Automaten in Deutschland betreiben die Sparkassen knapp 26 000, die Genossenschaftsbanken 19 000, die von privaten Banken dominierte Cash Group 7700 und Cashpool 2500. Rund 95 Prozent der Bankkunden heben an Automaten der eigenen Bank oder innerhalb eines Netzes ab und zahlen keine Gebühren.