Handel

Absturz nach der Abwrackprämie

Toyota zählt "weniger Kunden im Showroom". Bei BMW sind die "Kunden fordernder geworden". Im VW-Autohaus ist von Normalniveau die Rede, und Fiat "sortiert sich nach dem Ansturm der Abwrackprämie neu". In die Berliner Autohäuser ist Ruhe eingekehrt nach den hektischen Monaten, in denen eine staatliche Verkaufsförderung die Leute zu den Händlern trieb.

Thomas Lundt, Obermeister der Kfz-Innung in Berlin, findet die deutlichsten Worte: "Der Autohandel ist am Boden, und das Geschäft mit Reparaturen stützt die Branche."

Im September wurde der letzte Antrag für die Umweltprämie, so die offizielle Bezeichnung, beim Bundesamt für Güterverkehr bearbeitet. 600 000 Autos wurden mit einem Staatsbonus von jeweils 2500 Euro verkauft. An manchen Tagen im Frühjahr bildeten sich Schlangen in den Autohäusern. Doch nun, nach diesem Boom, werden die alten Probleme der Branche wieder deutlich. Die Ruhe in den Autohäusern deuten viele schon als Zeichen einer Totenruhe.

Zwischen 4000 und 6000 Kfz-Betriebe könnten in den kommenden zwei Jahren in Deutschland pleitegehen, schätzt das Berliner Beratungsunternehmen International Car Concept (ICC). Das wären im schlimmsten Fall rund 15 Prozent der Unternehmen. Für Berlin bedeutete dies: Mehr als 100 Unternehmen der Branche wären bedroht. Uwe Röhrig, Inhaber von ICC, sieht das Autogewerbe schon lange in der Krise. "Oft werden die Autohäuser nicht vernünftig gemanagt. Hinzu kommt, dass viele Hersteller ihre Händler zu wenig unterstützen", sagt er.

Notwendige Marktbereinigung

"2009 mit der Abwrackprämie war für die Autohändler eine einmalige Geschichte, sie hat die notwendige Marktbereinigung nur aufgeschoben", sagt Markus Bäthe, Verkaufsleiter beim Toyota-Händler Motor Company in Reinickendorf. Das japanische Unternehmen setzt darauf, seine Kunden mit Service-Paketen bei Laune zu halten. Abzahlung, Versicherung und Service soll durch eine monatliche Rate abgegolten sein. Vor allem die Stammkunden wollen sie so überzeugen. Zu Zeiten der Abwrackprämie kauften fast nur Leute, die vorher nie Kunden waren.

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch das Fiat-Autohaus an der Ollenhauerstraße. "Nach dem Ansturm durch die Abwrackprämie sortieren wir uns jetzt erst einmal neu", sagt Verkaufsleiter Rafael Kolodziej. Auch dort will man sich auf den Kundenstamm konzentrieren, also diejenigen, die auch unabhängig von der Abwrackprämie Autos kaufen. Und von denen gibt es eine ganze Menge, folgt man den Worten der Autohändler. Der Verkaufsleiter eines Weißenseer VW-Händlers sagt, viele der alten Kunden hätten die hektischen Zeiten der Abwrackprämie abgewartet. Die kämen nun wieder. "Und sie kaufen weniger Kleinwagen als vielmehr Modelle wie den Passat oder den Tiguan."

Vergleichsweise komfortabel ist die Lage bei der BMW-Niederlassung Berlin. Der Händler gehört direkt zum Münchner Konzern. Sprecher Kai Lichte sagt, man sei ungefähr auf dem Vorjahresniveau. Und 2008 verbuchten die bayerischen Modelle einen Rekord in Berlin. Aber die Kunden würden nun, getrieben durch Rabattaktionen, besonders hart verhandeln. "Die Erwartungen sind zum Teil unrealistisch", sagt Lichte. Auch bei BMW wolle man sich vor allem um die Stammkunden kümmern und mit Service punkten.

Thomas Lundt von der Kfz-Innung sieht eher die großen Autohändler gefährdet, die stark schuldenfinanziert viele Häuser betrieben. "Da wird die schleppende Finanzierung durch Banken schnell zum Problem." Als warnendes Beispiel nennt er den Autohändler Kroymans, der in Berlin Insolvenz anmelden musste. Dem Autohandel stehen im nächsten Jahr harte Zeiten bevor. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes freier Kfz-Händler (BVfK) erwarten drei Viertel der Händler Umsatzeinbrüche.