Ausbildung

Der Wettbewerb um gute Schüler in Berlin nimmt zu

Die Unternehmen der Hauptstadt werben verstärkt um den Nachwuchs. Einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge wollen 22,5 Prozent der befragten Betriebe in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze anbieten. 58 Prozent gaben an, mindestens genauso viele Auszubildende wie im Vorjahr einstellen zu wollen.

Damit schlägt sich die gute wirtschaftliche Lage auf dem Ausbildungsmarkt nieder. Vergangenes Jahr wollten nur 16 Prozent der Betriebe mehr Jugendliche einstellen; rund 55 Prozent antworteten mit "gleichbleibend". Gleichzeitig wächst aber die Sorge der Unternehmen, in diesem Jahr geeignete Bewerber zu finden.

So nimmt die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze zu. In Berlin gaben 26,3 Prozent der befragten Unternehmen an, nicht alle Lehrstellen besetzen zu können. Damit liegen die Berliner sogar noch leicht über dem Bundesdurchschnitt von knapp 24 Prozent. Zudem klagen die Unternehmen über das Niveau der Bewerber. Befragt, nach den Gründen für einen unbesetzten Lehrstelle, antworteten fast 75 Prozent mit: "Es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor." Die mangelnde Ausbildungsreife ist für 76,5 Prozent aller Firmen ein Problem, gefolgt von der unklaren Berufsvorstellung, die viele Bewerber mitbringen (56,5 Prozent).

Gegensteuern will die Wirtschaft, in dem sie jungen Leuten Nachhilfe gibt (56 Prozent). Zwölf Prozent der Betriebe erwägen sogar, die Anforderungen zu senken. Dies ist auch dem demografischen Trend geschuldet. Denn die Zahl der Schulabgänger hat sich in den vergangenen Jahren verringert. 2006 verließen noch 37 000 Berliner Jugendliche die Schulen - in diesem Jahr werden es wohl nur rund 29 000 sein. Die Zahlen werden in den kommenden zehn Jahren im Wesentlichen bei 30 000 stabil bleiben. Berlin ist zwar längst nicht so stark vom Geburtenrückgang betroffen wie etwa viele Landkreise in Ostdeutschland. Dennoch haben die Firmen auch hier zunehmend Probleme, die geeigneten Leute zu finden.

Gute Zukunftsaussichten

Das Thema Fachkräftesicherung ist daher auch für 76 Prozent der Berliner Unternehmen ein zentrales Anliegen. "Das Thema ist in den Unternehmen angekommen", sagte IHK -Bildungsgeschäftsführer Christoph von Knobelsdorff zu der Umfrage. Seinen Worten zufolge beginnen die Unternehmen nun auch umzusteuern. Für die Jugendliche ist das dennoch unter dem Strich eine gute Nachricht. Denn: "Künftig wird es einen verschärften Wettbewerb um geeignete Bewerber geben - unter den Unternehmen, aber auch zwischen Unternehmen und den Hochschulen", sagte von Knobelsdorff. Die Zukunftsaussichten seien so gut wie lange nicht.

Diese Aussage gilt bundesweit. Insgesamt wollen die deutschen Unternehmen in diesem Jahr 40 000 Lehrstellen mehr anbieten als im Vorjahr. "Die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz sind glänzend", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Er dringt darauf, dass auch mehr lernschwächere Jugendliche in die betriebliche Ausbildung einbezogen werden müssten. Dafür müsste aber von Schulen und Elternhäusern mehr geleistet werden. "Es sind Erziehungsprobleme, die sich vor allem die Eltern ins Stammbuch schreiben müssen", sagte Wansleben.