Finanzierung

Berliner Solarfirma Solon setzt auf Staatsbürgschaft

Die Summe, um die sich derzeit in der Adlershofer Unternehmenszentrale alles dreht, ist schwindelerregend: 400 Millionen Euro. So hoch ist der Wert der Schulden, mit denen das Solarunternehmen Solon bei den Banken kurzfristig in der Kreide steht.

Es sind Kredite, mit einer Laufzeit von höchstens zwölf Monaten. Solon kann die Finanzierung unter den derzeitigen Bedingungen nicht schultern und verhandelt um eine Umschuldung. Bis Jahresende soll eine Lösung her. Und wenn die nicht kommt? "Darüber wollen wir nicht spekulieren", sagt Sprecherin Therese Raatz.

Die Solarbranche in Deutschland leidet und besonders hart hat es das Berliner Vorzeigeunternehmen getroffen. Dank großzügiger Subventionen in Deutschland und anderen Ländern haben die Sonnenunternehmen kräftig investiert und sich dafür hoch verschuldet. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise ging die Nachfrage nach Solarzellen. Die Preise fielen zum Teil um 40 Prozent.

Solon ist besonders hart betroffen, weil die Berliner vor allem im Geschäft mit Großanlagen, also Solarkraftwerken, aktiv sind. Im Zuge der Banken- und Finanzkrise kam die Finanzierung solcher Projekte teilweise zum Erliegen - mit drastischen Folgen für Solon. In den ersten neun Monaten des Jahres setzte Solon im sogenannten Systemgeschäft 76,6 Millionen Euro um. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 357,1 Millionen Euro.

Zählt man die Erlöse aller Bereiche zusammen, kam Solon bis einschließlich September auf einen Umsatz von 218,4 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 637 Millionen Euro. Produktion und Verkauf der Solarmodule waren darüber hinaus verlustreich. Nach neun Monaten betrug das Minus fast 147 Millionen Euro.

Verluste gepaart mit hohen Schulden können ein Unternehmen schnell in Existenznöte bringen. Damit es bei Solon soweit nicht kommt, hat das Unternehmen um Hilfe beim Deutschlandfonds nachgefragt. Von einer Staatsbürgschaft in Höhe von 180 Millionen Euro ist die Rede. Bestätigen will das offiziell niemand, aber es gibt auch kein Dementi. Die Kreditgeber, insgesamt sind es zehn Banken, warten nun ab, ob die staatliche Hilfe für Solon kommt. Auch das Land Berlin ist mit eingebunden. "Wir sind in Gesprächen", heißt es knapp aus der Wirtschaftsverwaltung von Senator Harald Wolf (Linke).

Immerhin laufen die Geschäfte bei Solon jetzt wieder etwas besser. Mit einem kalifornischen Energieversorger haben die Berliner kürzlich ein Geschäft vereinbart. Die US-Tochter von Solon soll in Kalifornien ein Solarkraftwerk bauen. Und auch für Spanien, wo das Geschäft mit der Sonnenenergie weltweit am meisten eingebrochen ist, gibt es einen neuen Großauftrag. Zudem drückte Solon die Kosten. In der Unternehmenszentrale im Technologiepark Adlershof gilt für rund 100 Verwaltungsmitarbeiter Kurzarbeit. Sprecherin Therese Raatz gab zu, dass die Verbesserung noch sehr langsam verläuft. "Spürbare Erholung wird es erst im nächsten Jahr geben", sagt sie.

Abstieg aus dem TecDax

Allerdings muss das Unternehmen mächtig aufholen, um das Niveau des Rekordjahres 2008 wieder zu erreichen. Vergangenes Jahr war Solon noch auf dem besten Weg, die Grenze von einer Milliarde Euro beim Umsatz zu überschreiten. Davon ist die Sonnenfirma mit ihren rund 900 Mitarbeitern weit entfernt. Wegen des geschrumpften Aktienkurses rutschte Solon in diesem Jahr auch aus dem prestigeträchtigen Technologie-Index TecDax.

Aber alles weitere hängt an der Staatsbürgschaft und den Banken. Bis Weihnachten muss Solon sein 400-Millionen-Euro-Problem gelöst haben.