Konjunktur

Berliner Wirtschaft besonders robust

Deutschlands Wirtschaft hat mit deutlichem Wachstum im dritten Quartal die Rezession überwunden. Zugleich signalisiert der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat November höchsten Stand seit Ausbruch der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr.

Und die Wirtschaft von Berlin dürfte nach Expertenmeinung sogar besser abschneiden als der Rest des Landes.

Deutschlands Wirtschaft wuchs zwischen Juli und September um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Trotzdem wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen, in diesem Jahr um rund 4,5 Prozent schrumpfen. Die Wirtschaft der Hauptstadt kommt von allen 16 Bundesländern am besten durch die Krise.

So erwarten etwa die Konjunkturexperten der Investitionsbank Berlin (IBB) ein BIP-Minus von drei Prozent. Damit ist die IBB vergleichsweise pessimistisch. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) beispielsweise gehen von einem Schrumpfen von höchstens 2,5 Prozent aus.

In Wirtschaftskrisenjahr 2009 erweist sich Berlin damit als das stabilste Bundesland. Das hat vor allem mit dem hohen Anteil des Dienstleistungssektor in der Hauptstadt zu tun. Er macht nach Angaben der IBB 81,4 Prozent der Berliner Wirtschaftsleistung aus und kommt bislang glimpflich durch die Krise. So profitiert Berlin auch in diesem Jahr von seiner Attraktivität als Reiseziel. Allein in den ersten acht Monaten des Jahres kamen 4,5 Prozent mehr Gäste in die Stadt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Im nächsten Jahr stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Deutschland sehen Ökonomen mittlerweile wieder um bis zu 1,6 Prozent wachsen. Und für Berlin stehen die Chancen gut, dass der Aufholprozess der vergangenen Jahre weitergeht. "Die Aussichten, dass die Berliner Wirtschaftsleistung in den Folgejahren den Bundesdurchschnitt übertrifft sind nach wie vor günstig", schreit die IBB in ihrem Konjunkturbericht. Dabei dürfte weiterhin der Aufschwung des Dienstleistungssektors helfen, aber auch Wirtschaftszweige wie Pharma und die Nahrungsmittelindustrie. Allerdings gibt es auch Risiken. So sind die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe noch schwach, wie die IBB ausführt.

Zuversichtlich geben sich mittlerweile die Unternehmen im ganzen Land. Als wichtiges Stimmungsbarometer kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex im November auf 93,9 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit August 2008. "Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich weiter aus der Krise", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn nach dem achten Anstieg des Indizes in Folge.

Die 7000 befragten Unternehmen beurteilten sowohl ihre Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate als auch ihre derzeitige Lage besser als im Vormonat. "Wir sehen doch deutliche Erholungstendenzen", erklärte Ifo-Experte Klaus Abberger.

Im dritten Quartal 2009 erholten sich vor allem die Investitionen und Exporte von den schweren Einbrüchen zu Jahresbeginn. In Bauten wurden im Sommer 1,5 Prozent mehr investiert als im Vorquartal. Hier spielten die Konjunkturpakete der Bundesregierung eine Rolle, mit denen die ökologische Gebäudesanierung und der Ausbau der Infrastruktur mit Steuermilliarden gefördert werden. Die Unternehmen gaben zudem mehr Geld für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen aus: Diese Investitionen kletterten um 0,8 Prozent - zu Jahresbeginn waren sie um fast ein Fünftel eingebrochen. Der Export von Waren stieg wegen der Konjunkturerholung bei wichtigen Handelspartnern um 4,9 Prozent.