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TelDaFax bekommt Probleme nicht in den Griff

Mittlerweile sind es rund 600 000 Euro. Diese Summe schuldet der Energieanbieter TelDaFax der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB), Betreiber des Gasnetzes in der Hauptstadt. "Von TelDaFax haben wir nichts gehört, weder per Mail noch per Telefon", sagt NBB-Sprecher André Studzinski.

Vor allem hat die NBB nichts auf dem Konto bemerkt. Dort hätte spätestens am 31. März um 23.59 Uhr die Rate für April eingehen müssen. Doch TelDaFax hat die Gebühr für die Durchleitung seines Gases nicht bezahlt. Seit dem 1. April werden die 8400 Berliner TelDaFax-Gaskunden von der Gasag, dem Grundversorger, beliefert.

Wie berichtet, ist TelDaFax in arger finanzieller Bedrängnis. Überall in der Republik haben Netzgesellschaften wegen ausstehender Rechnungen gekündigt oder damit gedroht. Zwar hat das Unternehmen seit einer Woche einen neuen Großinvestor namens Prime Mark Financial Group. Dahinter stehen offenbar russische Geschäftsleute, Sitz der Gruppe ist offiziell Zypern. TelDaFax beteuert, dass frisches Geld ins Unternehmen fließt. Doch offensichtlich sind die offenen Rechnungen noch längst nicht alle beglichen.

"Wir sind bestrebt, mit allen Netzgesellschaften zu reden", sagt TelDaFax-Sprecherin Susanne Fiederer. Man wolle so viele Kündigungen wie möglich rückgängig machen. Das Unternehmen ringt ums Überleben und will demnächst eine Strategie vorstellen. Allerdings ist fraglich, ob das noch viel bringt.

Seit Januar verzichtet TelDaFax auf Strom- und Gastarife gegen Vorkasse. Seitdem taucht das Unternehmen in Preisvergleichen nicht mehr auf oberen Plätzen auf. Hinzu kommen die zahlreichen Berichte über Schulden bei Netzgesellschaften. Warum sollten also Kunden zu TelDaFax gehen? Fiederer räumt ein: "Derzeit werden kaum neue Verträge abgeschlossen." Und die 800 000 Bestandskunden, die von TelDaFax Strom und Gas bekommen, werden immer unruhiger.

Angst um bereits gezahltes Geld

Denn viele haben noch alte Verträge, für die sie für ein Jahr im Voraus gezahlt haben. Bei einer Pleite des Unternehmens besteht wenig Hoffnung, dass dieses Geld zurückfließt. TelDaFax beteuert, dass sie den Berliner Kunden, die im Voraus gezahlt haben, das Geld erstatten werden. "Wir schicken eine Abschlussrechnung an die Haushalte. Wer noch Ansprüche hat, erhält sein Geld", sagt TelDaFax-Sprecherin Fiederer. Allerdings könne es noch bis zu drei Monate dauern, bis diese finale Rechnung in den Haushalten ankommt. "Die Netzgesellschaft hat 28 Tage Zeit, uns die Abschlussrechnung der Kunden zu schicken", sagt Fiederer. Danach müsse TelDaFax die Daten noch verarbeiten. Das alles könne dauern.

Die NBB rät ehemaligen TelDaFax-Gaskunden, die nun zwangsweise von der Gasag versorgt werden, Folgendes: "Will man einen neuen Anbieter, dann sollte man möglichst schnell wechseln", sagt Studzinski. Denn nur, wenn der neue Gasanbieter innerhalb von sechs Wochen den Kunden bei der NBB anmeldet, gilt rückwirkend ab 1. April 2011 auch der Tarif des neuen Lieferanten. Wer sich erst Anfang Mai für einen neuen Gasversorger entscheide, habe kaum eine Chance, dass er rechtzeitig bei der NBB angemeldet werde.