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Berlin hat gute Chancen für neue Siemens-Sparte

Zwischen Siemens-Standorten rund um den Globus hat ein Wettkampf begonnen. Seitdem Konzernchef Peter Löscher vergangene Woche den neuen Sektor "Infrastruktur und Großstädte" aus der Taufe hob, wird gerungen. Viele Städte würden sich gern mit dem Sitz der neuen Sparte schmücken.

Immerhin geht es um einen Konzernbereich, der derzeit 16,5 Milliarden Euro im Jahr umsetzt und weiter wachsen soll, weil dort so zukunftsträchtige Themen wie Verkehr, Stromnetze und Gebäudetechnik vereint werden. Der Berliner Senat hat seinen Hut in den Ring geworfen und will Siemens ein Angebot unterbreiten.

Spätestens am 1. Oktober wird bekannt gegeben, wo die neue Bereichszentrale sein wird. Offiziell hält sich Siemens bedeckt. "Denken kann man sich theoretisch alles. Es ist aber alles noch völlig offen", sagt eine Siemens-Sprecherin in Berlin. Doch intern scheint es bereits Favoriten zu geben - und Berlin gehört dazu. "Wenn es explizit um Großstädte geht, kann man sich kaum vorstellen, dass der neue Konzernteil aus Erlangen heraus agieren wird", sagt ein Manager des Münchner Konzerns. Gute Chancen hätten demnach in Deutschland Berlin und München und im Ausland London oder die chinesische Metropole Shanghai.

Von den knapp 12 000 Berliner Siemens-Mitarbeitern zählen etwa 2000 zur neuen Sparte "Infrastruktur und Städte". Darunter sind beispielsweise das Dynamowerk sowie die Schaltwerke für Nieder- und Mittelspannung in Siemensstadt. Seit einem knappen Jahr sitzt hier auch die Zentrale der Zugsparte Mobility - sie wird ebenfalls dem neuen Sektor zugeschlagen.

Siemens hat in der Hauptstadt einige Probleme, bei denen das Unternehmen mehr Entgegenkommen vom Senat erwartet. So hadert der Konzern mit Denkmalschutzauflagen für seine historischen Produktionsstätten. Erweiterungen und Umbauten sind oft ein zäher Kampf.

Eine Rolle für die Standortentscheidung mag aber auch die Vita des künftigen Spartenchefs Roland Busch spielen. Busch ist in Erlangen geboren, hat für den Konzern in Shanghai gearbeitet und bekleidet seit 2008 den Posten des Strategiechefs in München. Busch schwärmt noch heute von seinen Jahren in China und der enormen Dynamik einer Megacity wie Shanghai. Er und Konzernchef Löscher werden wohl gemeinsam über den neuen Standort bestimmen.