Sanierung

Karstadt sorgt sich wieder ums Geld

Bei Karstadt ist es mit dem Gefühl der Erleichterung erst einmal vorbei. Denn schon wieder drängt die Zeit: Bereits im Herbst 2012 läuft der Sanierungstarifvertrag aus, der der ehemals insolventen Warenhauskette 50 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr erspart, indem die Mitarbeiter etwa auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.

Wie Karstadt diese Summe anschließend zusätzlich einspielen soll, bleibt ein Rätsel.

Denn die Bilanz nach dem ersten Viertel der zweijährigen Bewährungszeit des Post-Pleite-Warenhauses fällt ernüchternd aus. In den meisten der 120 Warenhäuser ist bisher nicht zu erkennen, dass der Investor Nicolas Berggruen - er hatte Karstadt am 1. Oktober 2010 zu einem symbolischen Preis von einem Euro übernommen - tatsächlich die Ärmel hochgekrempelt hat. Diese Aufgabe hat er im Januar an den Briten Andrew Jennings delegiert, einen international erfahrenen Warenhaus-Mann. Jennings, so ist zu hören, hat immerhin sämtliche Filialen besucht. Er soll die richtigen Fragen gestellt und den Eindruck erweckt haben, er verstehe etwas von seinem Geschäft. Öffentlich aufgetreten ist der Boss aber noch immer nicht, auch wenn die übliche 100-tägige Schonfrist längst abgelaufen ist.

Angeblich hat Jennings zahllose Pläne für Karstadt. So etwa will er eine leistungsbezogene Bezahlung der Mitarbeiter einführen und das Düsseldorfer Haus zum Testgelände für neue Angebote machen. Auch 18 Filialen sollen renoviert werden: Die meisten Häuser gehören zwar schon lange nicht mehr Karstadt, aber investieren muss der Mieter trotzdem, um für Kunden attraktiv zu bleiben. Das allerdings ist in den vergangenen Jahren allenfalls in wenigen Großstadthäusern passiert. Der Investitionsbedarf, der dadurch im übrigen Standortnetz aufgelaufen ist, wird auf hohe dreistellige Millionenbeträge geschätzt. Noch ist es vollkommen unklar, wer die Summe bezahlen soll.

Berggruens in Berlin ansässige Holding will die Spendierhosen jedenfalls nicht anziehen. Dort ist man eher der Meinung, Karstadt müsse das Geld für die Renovierungen schon selbst verdienen. Dies wiederum sorgt zunehmend für Unmut. "Große Summen für Renovierungen sind zwar nicht automatisch eine Garantie für Erfolg. Das sieht man ja beim Karstadt-Haus Oberpollinger in München", sagt Margret Mönig-Raane, Ver.di-Vize und langjährige Karstadt-Kennerin, über das trotz Millionen-Investitionen weiterhin schlecht laufende Premium-Haus in der bayerischen Landeshauptstadt. "Allerdings muss sich der Eigentümer fragen lassen, ob er dem Unternehmen nicht zumindest so etwas wie einen Vorschuss für die Renovierungen zahlen müsste, den er später zurückbekommt. Da muss jetzt endlich mal Geld rüberkommen", fordert Mönig-Raane.

Die langjährige Aufsichtsrätin hatte Berggruen beim Bietergefecht klar als Karstadt-Käufer favorisiert und Konkurrenzangebote abgelehnt. Jetzt wünscht auch sie sich mehr Tempo und Entschlossenheit von ihrem Favoriten. Vermieter Highstreet, der 2006 den Großteil der Immobilien übernommen hatte, beweist unterdessen bereits, dass sich für Karstadt-Standorte, sollte der in Branchenkreisen befürchtete Ausverkauf der Kette tatsächlich kommen, durchaus Käufer finden lassen. Fünf ehemalige Warenhäuser hat der Fonds, den die Großbanken Goldman Sachs und Deutsche Bank initiiert hatten, in den vergangenen Monaten verkauft.

Viele der Mitarbeiter wollen nach sieben Jahren der Krise all das nicht mehr hören. "Die Leute blenden aus, dass das entscheidende Jahr 2012 immer näher kommt und dass wir nur noch bis dahin geschützt sind", sagt eine Betriebsrätin. "Es ist keine schöne Zeit im Moment bei Karstadt."