Umfrage

Junge Berliner wollen mehr sparen

Egal, ob Krise oder Aufschwung: Für die finanzielle Situation der Hauptstadtbewohner scheint das Auf und Ab der Konjunktur wenig bedeutsam. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Berliner Sparkasse, die der Morgenpost vorliegt, gaben 72 Prozent der Stadtbewohner an, ihre wirtschaftliche Situation sei im Vergleich zum Vorjahr besser geworden oder gleich geblieben.

Im Krisenjahr 2009, als die Sparkasse das letzte Mal fragte, waren es 66 Prozent und somit kaum weniger.

Auffällig ist jedoch, dass die Zahl der Pessimisten die der Optimisten deutlich überwiegt: 16 Prozent der Berliner beurteilen ihre wirtschaftliche Situation besser als vor einem Jahr, 27 Prozent jedoch schlechter. 56 Prozent sagten, alles sei gleich geblieben. Lediglich bei den Jüngeren, der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, überwiegt die Zahl der "Verbesserten" die der "Verschlechterten": 35 Prozent der Jüngeren geht es finanziell besser als vor einem Jahr, 13 Prozent schlechter.

Insgesamt gibt es aber kaum spürbare Unterschiede zum Krisenjahr 2009. "Offenbar ist der Aufschwung noch nicht spürbar im Portemonnaie angekommen", mutmaßt Claus-Günther Richardt, der bei der Sparkasse die Abteilung Vermögensanlagen leitet. Als positiv bewertet Richardt, dass sich bei vielen Jüngeren nicht nur die wirtschaftliche Situation verbessert hat, sondern die 18- bis 29-Jährigen auch mehr Geld zurücklegen. "Immerhin sparen 27 Prozent der 18- bis 29-Jährigen mehr als im letzten Jahr."

Mehr Geld im Portemonnaie

Richardt verweist darauf, dass sich die wirtschaftliche Situation der Jüngeren spürbar verbessert habe. "Die jungen Berliner profitieren offensichtlich vom wirtschaftlichen Aufschwung", sagt er. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sei die Zahl der 15- bis 24-jährigen Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um gut sieben Prozent gesunken. "Mit einem geregelten Einkommen hat diese Altersgruppe mehr Geld zum Sparen", so Richardt.

Trotzdem ist das Geschäft für Geldhäuser wie die Sparkasse in Berlin nicht einfach. Denn jeder Dritte (34 Prozent) legt gar kein Geld beiseite. Das ist die größte Gruppe. Danach folgen jene Berliner, die 51 bis 100 Euro sparen (18 Prozent). Drei Prozent legen jeden Monat sogar mehr als 800 Euro auf die hohe Kante, sechs Prozent einen Betrag zwischen 400 und 800 Euro. Berlin sei im Bundesvergleich eine wenig wohlhabende Stadt, so Richardt. "Für viele bleibt da wenig Spielraum bei ihrer monatlichen Sparrate."

Bei der Geldanlage gibt es für die Berliner ein dominantes Kriterium: Sicherheit. Für 74 Prozent ist "absolute Sicherheit" am wichtigsten. Allerdings kann spätestens seit der Finanzkrise im Jahr 2008 wohl keine Bank absolute Sicherheit garantieren. Bis zum Ausbruch der Schuldenkrise in Euro-Staaten wie Griechenland, Portugal und Irland galten beispielsweise Staatsanleihen europäischer Länder als wenig riskant. Dies hat sich grundlegend geändert. Sparkassen-Mann Richardt spricht dann auch nur von einem "hohen Maß an Sicherheit". Dazu zählt er deutsche Staatsanleihen oder das Sparbuch. Diese Sicherheit habe aber ihren Preis, so Richardt: geringe Renditen.

Das Streben nach Sicherheit spiegelt sich in den beliebtesten Anlageformen. Ein Sparbuch haben 44 Prozent der Befragten. Auf Platz zwei folgt die private Rentenversicherung. 34 Prozent haben einen entsprechenden Vertrag. Aktien haben nur 15 Prozent der Befragten, 16 Prozent halten Aktienfonds. Diese Börsenpapiere kommen für die meisten auch in Zukunft nicht infrage. 79 Prozent gaben an, keine Aktien erwerben zu wollen.

Betrachtet man die Gründe, warum die Berliner sparen, stößt man wieder auf das Motiv Sicherheit. 48 Prozent der Berliner sparen, um in Notfällen abgesichert zu sein. Der zweithäufigste Grund ist die Altersvorsorge (45 Prozent). 16 Prozent wollen vom Gesparten eine Immobilie erwerben, 15 Prozent ein Auto.

In der Umfrage wollten die Marktforscher auch wissen, ob die Berliner ihr Anlageverhalten wegen der Finanzkrise geändert haben. 55 Prozent antworteten mit Nein; 34 Prozent investieren seitdem noch mehr in sichere Anlagen. Interessant: Nur vier Prozent sagten, sie hätten als Reaktion Gold gekauft.

Das Meinungsforschungsinstitut Info hat im Auftrag der Sparkasse im Februar und März 1000 Berliner befragt. Die Ergebnisse dienen der Sparkasse dazu, ihre Anlageprodukte auf Kundenbedürfnisse abzustimmen.