Handel

Globale Schnäppchenjagd im Internet

Wer für die Tochter eine Barbie-Puppe sucht, könnte in Großbritannien fündig werden. Auch in Italien, den Niederlanden oder Dänemark gibt es die Puppe und anderes Spielzeug oft günstig im Internet. Musik wiederum ist besonders billig in dänischen Online-Shops, MP3-Player oder Handys in den USA.

Das geht es aus einer Studie hervor, die Preise bei Internet-Läden in zehn europäischen Ländern und den USA untersucht hat.

Waschmaschinen, Lippenstift, Filme, Computer, überall gibt es große Spannen zwischen den Preisen in verschiedenen Ländern, wie es in der Untersuchung des britischen Marktforschungsinstituts Shape the Future heißt. Das Institut verglich jeweils mehr als einhundert populäre Produkte in Online-Shops von elf Ländern. In Deutschland schauten sich die Tester 35 viel genutzte Internet-Läden an, von Amazon bis zum Online-Portal des Otto-Versand.

Für die deutschen Internetkunden zunächst einmal erfreulich: Unter dem Strich kauft man auch im Inland recht günstig. Hierzulande liegen die Preise 17,5 Prozent unter dem Durchschnitt aller untersuchten Staaten, wie es in der Studie im Auftrag des Internet-Vergleichsportals Kelkoo heißt. Nur in den USA und Großbritannien ist der Einkauf per Mausklick im Schnitt noch günstiger.

Seriosität prüfen

Aber auch in Italien, Schweden, Belgien oder Frankreich können deutsche Verbraucher oft fündig werden. Fast durchweg sehr teuer sind die Online-Läden dagegen in Dänemark, Norwegen und den Niederlanden - was nicht heißt, dass nicht auch dort in einzelnen Kategorien günstige Preise zu finden sind. Nicht alle Angebote sind für die deutschen Nutzer auch zugänglich, denn bisher bieten laut EU-Kommission nur gut ein Viertel aller Internetshops in Europa auch im Ausland an. Doch das heißt auch: Es gibt bereits zehntausende Shops, die grenzüberschreitend tätig sind - und viele Verbraucher nutzen dies auch. 30 Millionen der 150 Millionen Internet-Nutzer in der EU haben schon einmal jenseits der Grenzen im Netz eingekauft.

Verbraucher sollten beim internationalen Einkauf aber nicht nur auf den Preis achten, sondern auch auf Fallen, die Mühe, Ärger oder Mehrkosten bedeuten können. Grundsätzlich gilt: Innerhalb der EU ist der Einkauf einfacher als jenseits der europäischen Grenzen. Doch auch in Europa ist Vorsicht geboten. So sollte der gewählte Shop immer besonders genau angesehen werden. "Wichtig ist, die Seriosität des Händlers genau zu prüfen", sagt André Schulze-Wethmar, Experte für Online-Handel beim Europäischen Verbraucherzentrum in Kehl. So sollte immer ein komplettes Impressum vorhanden sein. Vorsicht sei geboten, wenn nur eine E-Mail angegeben sei.

Aber auch wenn der Händler seriös erscheint, kann es Probleme geben, wenn die Ware kaputt oder mangelhaft ist. Zwar kann der Verbraucher verlangen, entweder die defekte Ware gegen ein fehlerfreies Produkt auszutauschen oder sie zu reparieren. "Hier wehren sich die Händler aber häufig", sagt Schulze-Wethmar. Viele Händler wollen schlicht vermeiden, die hohen Kosten für die Rücksendung zu übernehmen - wozu sie verpflichtet sind, wenn die Ware tatsächlich mangelhaft ist.

Die Versandkosten sind zwar niedrig, weil die Händler meistens Vereinbarungen mit einem Paketdienst geschlossen haben. Bei einer Rücksendung aber greift der Mengenrabatt nicht - oft fällt Porto von 20 Euro bis 50 Euro an. Auf diesen Kosten bleibt der Verkäufer nur ungern sitzen.

Wer die Ware zurückschicken will, weil sie ihm nicht gefällt, hat zudem nicht überall 14 Tage Zeit wie im Inland. In vielen Staaten gilt eine Frist von nur sieben Tagen. Allerdings: Haben die Online-Händler in diesen Ländern ihr Geschäft erkennbar auf Deutschland ausgerichtet - etwa durch eine deutschsprachige Internetseite - sieht es anders aus. Hier gelten in der Regel die 14 Tage des deutschen Rechts. Doch auch wenn man im Recht ist: Im Zweifel ist es immer schwer, das im Ausland auch tatsächlich durchzusetzen.

Internet-Käufer, die sich über die europäischen Grenzen hinauswagen, müssen sich noch besser vorbereiten. Zwar gibt es in den USA oder Asien etwa Unterhaltungselektronik oft zu verlockenden Preisen, doch ab einem Wert von mehr als 150 Euro müssen Waren von außerhalb der EU verzollt werden. Das kann mehr oder weniger teuer werden: So liegt der Zoll etwa bei einem DVD-Spieler bei 13,9 Prozent, auf GPS-Geräte werden 3,9 Prozent aufgeschlagen, Computer sind komplett zollfrei. Wie viel an der Grenze jeweils genau fällig wird, ist auf den Internet-Seiten des Zoll nachzulesen. Die Post übernimmt die Formalitäten und streckt die Zollgebühren vor. Der Verbraucher muss die Summe nachzahlen, wenn ihm das Paket ausgehändigt wird.

Schon ab einem Warenwert von 22 Euro fällt zudem die sogenannte Einfuhrumsatzsteuer an. In der Regel ist diese identisch mit der deutschen Mehrwertsteuer. Das Problem: Man kann sich vom ausländischen Händler zwar eine Rechnung ohne Mehrwertsteuer geben lassen, manch ein Anbieter macht dies aber nicht mit. Man riskiert also, die ausländische und die deutsche Umsatzsteuer zu zahlen.

Üppige Versandkosten

Neben Steuer und Zoll schlagen natürlich die Versandkosten zu Buche, die bei Bestellungen aus den USA schnell auf mehr als 15 Euro steigen können. Dazu kommt die lange Lieferzeit - von außerhalb Europas können mehrere Wochen bis zum Eintreffen der Ware vergehen. Bei Produkten von weit her müssen deutsche Verbraucher auch aufpassen, dass sie sich keine Fälschungen einhandeln. Gerade bei Markenprodukten passiert es immer wieder, dass es sich um die Kopien von Produktpiraten handelt. Kommt der Zoll dem auf die Schliche, wird die Bestellung beschlagnahmt.