Finanzkrise

Irland baut seine Banken radikal um

Gläubiger der größten irischen Banken können aufatmen. Entgegen vorherigen Ankündigungen will die irische Regierung vorrangige Gläubiger der Bank of Ireland und Allied Irish Banks (AIB) doch nicht zur Kasse bitten. In den vergangenen Tagen hatten Regierungsmitglieder wiederholt gesagt, die Gläubiger sollten einen Teil der milliardenschweren Bankenrettung schultern und so die irischen Steuerzahler entlasten.

Die Entwarnung gilt nur für vorrangige Gläubiger, die generell einen höheren Schutz genießen. Nachrangige Gläubiger werden schon an den Krisenkosten beteiligt.

Die Hauptlast trägt damit weiter das irische Volk, das seit Beginn der Krise 2008 schon 46,3 Milliarden Euro in das marode Bankensystem gepumpt hat. Stresstests der irischen Zentralbank an den vier größten Finanzinstituten Bank of Ireland, AIB, Irish Life & Permanent und der Bausparkasse EBS hatten am Donnerstag ergeben, dass die Banken weitere 24 Milliarden Euro zum Überleben brauchen. Für die Iren steigt die Rechnung für ihre Krisenbanken damit auf über 70 Milliarden Euro - das entspricht 45 Prozent des irischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Premierminister Enda Kenny sagte, eine Lastenteilung zwischen Gläubigern und Steuerzahlern sei kein Thema mehr. Eine solche Regelung würde der Bank of Ireland und AIB zu sehr schaden bei künftigen Versuchen, Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Kennys Regierung plant einen radikalen Umbau des Bankensektors. Demnach sollen Bank of Ireland und AIB als die zwei einzigen großen Geschäftsbanken überleben. Die Bausparkasse EBS wird mit AIB verschmelzen und vom Markt verschwinden. Irish Life & Permanent soll sein gesundes Versicherungsgeschäft so schnell wie möglich an einen privaten Investor verkaufen. Die komplett verstaatlichte Bank Anglo Irish will die Regierung schließen.

Am Donnerstag musste das Kreditinstitut den höchsten Verlust in der Wirtschaftsgeschichte des Landes bestätigen. 17,7 Milliarden Euro verlor Anglo Irish im Jahr 2010. Im Vorjahr waren es 12,7 Milliarden Euro Minus. Damit ist Anglo Irish für beinahe ein Drittel der irischen Staatsschulden verantwortlich. Für Irland ist die horrende Summe der letzte Beweis, dass es richtig war, die Bank 2008 zu retten. Andernfalls hätte Anglo das gesamte Bankensystem in die Pleite gerissen.

Ob mit den Ergebnissen der Stresstests nun endlich ein Schlussstrich unter Irlands Bankenkrise gezogen werden kann, bleibt abzuwarten. Immerhin war es das fünfte Mal in zwei Jahren, dass die Banken frisches Geld verlangten. Positiv ist immerhin, dass Irland um keine weiteren Gelder aus dem Euro-Rettungsschirm bitten muss. Ende vergangenen Jahres hatten die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) dem Land 85 Milliarden Euro zugesichert. 35 Milliarden Euro waren dabei für die Bankenrettung vorgesehen.

Wie schnell Irland den Kredit zurückzahlen könne, hänge maßgeblich von der Wirtschaftsentwicklung des Landes ab, sagte Zentralbankchef Patrick Honohan. "Wenn unsere Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs geht und wir Vollbeschäftigung erreichen, dann können wir das locker zahlen."

Um Irland zu unterstützen, führt die Europäische Zentralbank (EZB) ab sofort eine Sonderregelung ein. Die Notenbank akzeptiert irische Staatsanleihen als Sicherheiten, unabhängig von deren Bewertungen durch Ratingagenturen.