Nahverkehr

Neue Probleme bei der Berliner S-Bahn

Bei der S-Bahn sind neue technische Probleme aufgetreten. Wie eine Sprecherin bestätigte, wurden bei Ulltraschalluntersuchungen an zwei Achsen der Baureihe 480 "unzulässige Anzeigen" festgestellt. Es handelt sich um Achsen, die der ersten Auslieferung dieses Zugtyps aus den Jahren 1986 und 1987 zugeordnet werden.

"Wir haben sofort reagiert und 16 der 140 Wagen der Baujahre 1986 und 1987 aus dem Verkehr gezogen", so die Sprecherin. Bis 11 Uhr habe es daraufhin Einschränkungen auf der Linie S 75 gegeben. Die Bahnen seien statt im 10-Minuten Takt nur alle 20 Minuten gefahren. Die Wagen werden jetzt untersucht.

Wann die Ergebnisse feststehen, ist noch ungewiss. Klar ist indes schon jetzt, dass die krisengeplagte S-Bahn Berlin 2010 tiefer in die roten Zahlen gefahren ist. Der operative Verlust vor Zinsen und Steuern vergrößerte sich von 16 auf etwa 50 Millionen Euro, wie Richard Lutz, Finanzvorstand der Deutschen Bahn, sagte. Dabei seien die Folgen von technischen Risiken und Entschädigungen für die Fahrgäste noch nicht einbezogen. Die Deutsche Bahn als Mutter der S-Bahn Berlin habe das Defizit ausgeglichen, was die wirtschaftliche Existenz sichere. Die Tochter kann wegen sehr großer Technikprobleme seit fast zwei Jahren nur stark eingeschränkt in Berlin fahren.

Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg sagte, es werde weiter daran gearbeitet, die Folgen der Konstruktionsmängel bei Zügen der Baureihe 481/482 abzumildern. Aus seiner Sicht werde es aber "nie mehr gelingen", diese Fahrzeuge auf einen Stand zu bringen, wie die Industrie ihn zugesichert habe. "Wir werden bis zum Ende der Lebensdauer mit technischen Einschränkungen leben müssen."

Die Zahlen des Gesamtkonzerns sehen hingegen gut aus. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr seine Einnahmen um 17,3 Prozent auf 34,4 Milliarden Euro gesteigert, unterm Strich stand ein Plus von 27,5 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro. Vor Zinsen und Steuern verdiente der Konzern 1,9 Milliarden Euro, 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. 1,95 Milliarden Menschen reisten mit der Bahn, das war ein Plus von 2,2 Prozent.

Dennoch gibt es kritische Stimmen. "Ich bin entsetzt, wie wenig wetterfest das Unternehmen ist und welche Spuren die Witterungsprobleme in der Bilanz hinterlassen haben", klagt ein Mitglied des Aufsichtsrates. Gerade der Personenverkehr schwächelt, der traditionell ein Gewinnbringer im Konzern ist. Alle Personenverkehrssparten haben deutlich weniger verdient: Der ohnehin ergebnisschwache Fernverkehr kommt auf 117 (Vorjahr 141) Millionen Euro, der Stadtverkehr auf 62 (71) Millionen Euro, der Regionalverkehr auf 729 (899) Millionen Euro.