Berliner Wohnungskonzern

GSW geht in 14 Tagen an die Börse

Der Berliner Wohnungskonzern GSW will bei seinem zweiten Versuch eines Börsengangs deutlich mehr Kapital einspielen. Die Preisspanne für die 24,6 Millionen Aktien, die ab dem heutigen Freitag bis zum 13. April den Zeichnern angeboten werden sollen, liegt zwischen 19 und 23 Euro, wie die GSW am Donnerstagabend mitteilte.

In der Mitte der Spanne wäre der Börsengang dann 517 Millionen Euro schwer, am oberen Ende immerhin 566 Millionen Euro.

Das wäre dann der bisher größte Börsengang des Jahres in Deutschland. Bei dem ersten, vor fast einem Jahr durch die Griechenland-Krise und ein geringes Investoreninteresse gescheiterten Anlauf hatten die Eigentümer Goldman Sachs und Cerberus noch 15 bis 18,50 Euro für einen Anteil verlangt. Der Börsengang hätte damals maximal 490 Mio. Euro eingebracht. Inzwischen hat die GSW aber ihre Refinanzierung langfristig gesichert, und der Immobilienmarkt in Berlin hat kräftig angezogen. Der Großteil des Erlöses aus dem Börsengang geht an den Whitehall-Fonds von Goldman Sachs und Cerberus, die danach etwa 40 Prozent der Anteile halten werden. Die Finanzinvestoren hatten die bis dahin landeseigene GSW im Jahr 2004 erworben. Liegt der Ausgabepreis höher als 19 Euro, verkaufen Whitehall und Cerberus mehr ihrer Aktien - die Kapitalerhöhung fiele dann entsprechend kleiner aus. Die Erstnotiz der GSW-Papiere ist für den 15. April in Frankfurt und Berlin vorgesehen.

Durch die mit dem Börsengang verbundene Kapitalerhöhung fließen dem Unternehmen 115 Millionen Euro zu, die Vorstandschef Thomas Zinnöcker für fällige Steuern und den Zukauf von Wohnungen in Berlin ausgeben will. Er will in den nächsten zwei Jahren Portfolios mit insgesamt 5000 bis 6000 Einheiten erwerben.

"Unser solides Geschäftsmodell hat sich in den vergangenen Jahren auch unter schwierigen Marktbedingungen bewährt", sagte GSW-Chef Zinnöcker. "Wir haben die Profitabilität und Effizienz der GSW nachhaltig gesteigert. Mit unserer führenden Unternehmensplattform sind wir in einem der interessantesten europäischen Wohnungsmärkten tätig." Der Börsengang ermögliche einen dauerhaften Zugang zu weiterem Eigenkapital, mit dem das geplante Wachstum realisiert werden könnte. "Darüber hinaus sind wir langfristig zu attraktiven Konditionen finanziert. Daher sind wir in den nächsten Jahren weitgehend unabhängig von möglichen Zinsschwankungen", betonte Zinnöcker. Geplant sei aus dem Bewirtschaftungsergebnis (Funds From Operations) 65 Prozent auszuschütten. Die angebotenen Aktien werden für das Geschäftsjahr 2011 voll dividendenberechtigt sein.

Die GSW ist gemessen am eigenen Bestand und der Zahl der verwalteten Einheiten die größte private Wohnungsgesellschaft in der Hauptstadt. Das Unternehmen besitzt ein Portfolio von rund 48 800 eigenen Wohnungen und verwaltet darüber hinaus 15 800 Wohn- und Gewerbeeinheiten für Dritte. Seit einigen Jahren profitiert der Berliner Wohnimmobilienmarkt von einer wachsenden Bevölkerung, fallenden Leerständen und steigenden Mieten, die in den kommenden Jahren noch weiter anziehen dürften, weil das Niveau in der Hauptstadt bislang relativ günstig war. Zwischen 2006 und 2010 stieg die Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter in GSW-Immobilien auf durchschnittlich 4,89 Euro je Quadratmeter und Monat. Gleichzeitig konnte das Unternehmen den Leerstand auf 3,6 Prozent verringern.