Berliner Energiemarkt

Lekker folgt Vattenfall bei Strompreiserhöhung

Nach Vattenfall will auch der zweitgrößte Stromanbieter auf dem Berliner Markt, Lekker-Energie, die Preise erhöhen. Allerdings will das Unternehmen erst einmal hören, was Vattenfall konkret vorhat.

An diesem Freitag will Vattenfall sich äußern, wie hoch genau die Erhöhung der Strompreise ausfallen wird. Doch schon jetzt steht für Berliner Verbraucher fest: Es gibt eine deftige Verteuerung der elektrischen Energie. Allgemein wird erwartet, dass Berlins größter Stromversorger um rund neun Prozent erhöht. Der zweitgrößte Anbieter der Hauptstadt, Lekker-Energie, will ebenfalls die Preise anheben. "Wir warten noch auf die Details von Vattenfall, werden dann aber auch unsere Preise anpassen", sagte Lekker-Sprecherin Heike Klumpe.

Damit folgen Vattenfall und Lekker anderen Versorgern. Seit Monaten haben viele erhöht und diesen Schritt mit den Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien begründet. Das ist auch das Argument, das Vattenfall am Freitag auf einer Pressekonferenz nennen wird. Im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ist festgehalten, wie hoch die Umlage für den Ausbau vor allem von Photovoltaik ausfällt. Ab Januar steigt diese Umlage von 1,483 auf 3,53 Cent je Kilowattstunde. Diese Kosten reichen Unternehmen an die Endverbraucher weiter.

Härtester Wettbewerb Deutschlands

In der Hauptstadt beziehen rund 1,6 Millionen Haushalte Strom von Vattenfall. Die Nummer zwei Lekker - ehemals Nuon - hat rund 130.000 Kunden. Wie viel die Kunden vom nächsten Jahr an bezahlen werden, lässt sich bisher nur schätzen. Ein Vattenfall-Sprecher wollte keine Zahlen nennen und verwies auf die Präsentation an diesem Freitag.

Eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt derzeit im Vattenfall-Grundversorgungstarif ("Berlin Klassik"; 5,90 Euro pro Monat und 19,98 Cent je Kilowattstunde), 880 Euro im Jahr. Sollte Vattenfall, wie spekuliert, die Preise um neun Prozent erhöhen, klettert die jährliche Belastung auf rund 968 Euro.

Damit liegt der Berliner Standardtarif aber immer noch unter dem Bundesschnitt. Dieser beträgt laut Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox 971 Euro. "Auf dem Berliner Strommarkt gibt es den härtesten Wettbewerb Deutschlands", sagte Ginzel. Verbraucher können aus mehr als 130 verschiedenen Tarifen wählen. Diese Konkurrenz und die überdurchschnittliche Bereitschaft der Berliner zum Anbieterwechsel sorgen dafür, dass die Preise hier niedriger sind als in anderen Regionen Deutschlands - das gilt auch nach der Erhöhung durch Vattenfall.

Wer jetzt wechseln will sollte auf Empfehlung von Verivox besser keine Anbieter wählen, die auf Vorkasse und Kaution bestehen. Bei einer Unternehmenspleite wäre das Geld verloren. Stattdessen empfahl Ginzel, jetzt auch nach Unternehmen Ausschau zu halten, die einen Wechselbonus anbieten.

Außer Vattenfall haben auch die anderen großen deutschen Stromversorger RWE und EnBW ihre Preise erhöht. Einzige Ausnahme ist bislang E.on, aber auch dort erwarten Beobachter bald einen Preisschritt. Nach Zählung des Verbraucherportals Toptarif haben knapp 200 Anbieter bis Mitte November Preiserhöhungen angekündigt. Da neue Tarife mit sechs Wochen Vorlauf bekannt gemacht werden müssen, ist an diesem Freitag Fristende für diejenigen Energieunternehmen, die zum 1. Januar anheben wollen.

Teuerung auf breiter Front

Dass der Ausbau erneuerbarer Energie die Strompreise in die Höhe treibt, ist von allen unbestritten. Der Ausbau geht jedoch wesentlich schneller voran, als prognostiziert. Allerdings ist gerade der massenhafte Ausbau von Photovoltaikanlagen umstritten. Sonnenenergie trägt gerade einmal ein Prozent zur gesamte Stromproduktion in Deutschland bei. Doch allein in diesem Jahr werden für den Ausbau acht Milliarden Euro fällig - die alle Energieverbraucher tragen müssen.

Allerdings gehen die Einschätzungen darüber auseinander, welche Preiserhöhungen dies rechtfertigt. Der Chef der Bundesnetzagentur Matthias Kurth hatte erst vor wenigen Wochen darauf hingewiesen, dass das Mehr an alternativ erzeugtem Strom zu fallenden Großhandelspreisen geführt habe. Experten sprechen von ungefähr sieben Prozent Teuerung infolge des EEG. Eine deutliche Differenz zu der erwarteten Neun-Prozent-Anhebung von Vattenfall.

Von Januar an wird die Konkurrenz auf dem Berliner Strommarkt noch schärfer. Die Gasag startet dann mit dem Verkauf von elektrischer Energie und will mit ihrem Preis unterhalb des Vattenfall-Grundversorgertarifs liegen. Wie Gasag-Chef Andreas Prohl unlängst im Interview mit der Morgenpost ankündigte, will das Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre 100.000 Stromkunden in der Hauptstadt gewinnen. Den Strom erzeugt das Unternehmen in dezentralen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die in Mietshäusern aufgestellt werden sollen.

Auf dem Berliner Energiemarkt könnte es auch Bewegung durch landeseigene Betriebe geben. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) liebäugelt mit einem neuen Stadtwerk, nachdem das Land vor Jahren die Gasag und die Bewag (jetzt Vattenfall) an private Investoren veräußert hat. Vergangene Woche gründete sich dazu die "Entwicklungsplattform Berlin Energie". Daran beteiligt sind die Wasserbetriebe, die Berliner Stadtreinigung sowie die Berliner Energieagentur. Diese Unternehmen erzeugen schon heute Energie, die BSR beispielsweise durch ihre Müllverbrennungsanlage in Ruhleben und die Wasserbetriebe durch Solarzellen auf dem Dach ihrer Zentrale.