Nintendo 3DS

Dreidimensionale Spiele und tränende Augen

| Lesedauer: 7 Minuten
Michael Miller und Thomas Jüngling

Ein bisschen nervös ist Nathalie Rippkar schon, als sie am Freitag kurz nach Mitternacht die neue mobile Spielkonsole Nintendo 3DS in den Händen hält.

"Seit einem Jahr habe ich schon auf diesen Tag hingefiebert - und gespart", sagt die 14-Jährige. Von 23.30 Uhr an hat sie mit Ihren Eltern vor dem Elektronikgeschäft Saturn am Alexanderplatz gestanden, jetzt gehört sie zu den ersten in Deutschland, die das Gerät kaufen. Die erste Spielekonsole der Welt, die Spiele dreidimensional zeigt.

Punkt 23.59 Uhr hat der Markt geöffnet. Etwa 100 Berliner stehen brav in einer Schlange hinter den aufgestapelten Geräten und sichern sich die ersten 3-D-Konsolen. "Zufrieden und erfreut", äußert sich André Sommer von Saturn zu der Veranstaltung, auch wenn die meisten Geräte in den Gitterboxen bleiben. "Wir hatten sehr viele Anfragen im Vorfeld", sagt er, sodass die Geräte wohl in den kommenden Wochen verkauft werden. Gegen 0.45 Uhr ist beim Elektronikgeschäft jedenfalls Schluss.

Nathalie Rippkar ist glücklich. "Ich konnte das neue Nintendo vorher schon kurz im Laden testen. Und die 3-D-Grafik macht viel Spaß", sagt sie. Und was ist jetzt neu an dem Gerät? Es sieht aus wie das Vorgänger-Modell, wenn auch ein wenig schlanker. Die Spielekonsole verfügt über die üblichen Knöpfe und das Steuerkreuz, nur ein recht griffiger analoger Steuerknopf ist hinzugekommen.

Das Besondere aber ist, dass der Spieler auf der 3DS dreidimensionale Bilder ohne sperrige Spezialbrille sehen kann. Die Qualität überzeugt, im Spiel "Pilot Wings Resort" etwa kann der Spieler viele Minuten über künstliche Inseln und zwischen Bäumen hindurch fliegen - und vergisst dabei leicht, auch Punkte zu sammeln. Während man auf dem oberen Bildschirm dem Piloten, also sich selbst, über die Schulter sieht, zeigt der untere eine übersichtliche Karte der Insel an.

In kurzen Sätzen erläutert eine animierte Assistentin, wie das Spiel abläuft. Da das Spiel recht einfach ist, reichen die knappen Anweisungen aus, zumindest zu Beginn. In höheren Levels ist es zumindest für unerfahrene Spieler recht anspruchsvoll. Hier aber zeigt sich, wie gut sich Flugzeuge oder Hängegleiter mit dem analogen Knopf auf der linken Seite steuern lassen.

Wie im U-Boot

In anderen Spielen registriert ein eingebautes Gyroskop die Lage der Konsole und baut dies mit in das Spiel ein. Wer also durch das Periskop eines Unterseebootes sieht und sich dabei mit der Konsole in der Hand um die eigene Achse dreht, erhält einen Rundumblick über das Wasser. Auch bei einem grafisch ausgefeilteren Konsolenspiel wie "Street Fighter IV" macht der 3-D-Effekt viel her. So wirkt die Prügelei trotz des für ein Kampfspiel zu kleinen Bildschirms dann doch einigermaßen realistisch.

Das ist technisch mehr als nur gelungen, allerdings gibt es Bilder mit 3-D-Effekt nur zu sehen, wenn man den Bildschirm aufrecht, am besten in etwa 30 Zentimetern Entfernung und zentral vor die Augen hält. Und zwar möglichst ruhig. Das ist für viele bei Actionspielen sicher eine Herausforderung. Kippt die Konsole ein wenig nach rechts oder links, beginnt die Darstellung zu verschwimmen, die Bilder erscheinen doppelt. Weil man die optimale Position und damit die Darstellung nicht immer stabil halten kann, ermüden die Augen nach einer Stunde Spielen. Notfalls lässt sich der 3-D-Effekt über einen Regler auch abschwächen oder ganz abstellen.

Das wäre schade: Die Bilder zeigen deutlich mehr Tiefe als auf herkömmlichen Displays. Zwar taucht man wegen des kleinen Bildschirms nicht in die Szenerie ein, manche Figuren scheinen aber aus dem Bildschirm herauszuragen. Besonders beeindruckend ist das beim Spiel "Nintendogs", wenn Tiere scheinbar durch die Glasscheibe direkt auf den Spieler zukommen.

Der Spieler kann einen Hund auswählen, ihn kraulen, bis er sich auf den Rücken legt, und ihn zum Füttern oder Ballspielen mit nach Hause nehmen. Über das eingebaute Mikrofon kann er ihm außerdem einen Namen geben, auf den er tatsächlich im weiteren Verlauf reagiert. Für kleine Kinder, die schon in der Lage sind, die Konsole für den 3-D-Effekt richtig zu halten, ist das klasse. Sie können auch Fotos von ihren virtuellen Haustieren machen und sie über ein lokales Netzwerk an andere Nintendo 3DS übertragen.

Die 3-D-Technik bringt noch zwei weitere Effekte. Zum einen schießen die eingebauten Kameras Bilder in 3D. Die Qualität ist allerdings, vorsichtig gesagt, bescheiden. Zwar ist die räumliche Tiefe gut zu erkennen, die Aufnahmen wirken jedoch recht körnig. Außerdem ermöglicht die Technik Augmented Reality, eine Kombination aus virtueller und realer Welt. Damit lässt sich das eigene Wohnzimmer in ein Spiel integrieren. Virtuelle Figuren kommen dann aus der heimischen Tischplatte oder etwa der Schrankwand gekrochen.

Anfangs begeistert das, auf die Dauer ernüchtert es. Die Technik aber hat Potenzial. Wenn Programmierer darauf abgestimmte Spiele entwickelt haben, könnte das zu den spannendsten Funktionen der neuen Nintendo-Konsole gehören. Mit einem Software-Update wird es außerdem bald möglich sein, über eine WLAN-Verbindung im Internet zu surfen und sich zum Beispiel auf einer Nintendo-Plattform weitere Spiele herunterzuladen. Schon jetzt lassen sich selbst erschaffene Figuren oder die eigenen Rekorde aus den Spiele per Funk an andere 3DS-Konsolen übertragen.

Noch ist die Nintendo-Konsole eher eine Demonstration dafür, was vor allem 3-D-Technik in einer so kleinen Kiste alles leisten kann. Vielleicht wird es in einem oder zwei Jahren schon ein erweitertes Modell geben, das noch leichter ist, ein wenig günstiger als die knapp 250 Euro und noch brillantere Bilder zeigt. Vielleicht schafft es Nintendo bis dahin auch, die Akkulaufzeit zu verlängern. Auch ohne stromfressende WLAN-Verbindung war nach dreieinhalb Stunden Dauerdaddeln bereits Schluss. Das dürfte nur selten reichen, um seine Kinder auf dem Autorücksitz während der Fahrt zum Urlaubsort zu beschäftigen.

"Sofort haben"

Auf ein weiterentwickeltes Modell wollte zunächst auch Stefan Winkler warten. Zumindest hat er kurz überlegt, noch etwas Zeit vergehen zu lassen, damit die Konsole günstiger wird. Dennoch steht er nun in der Schlange bei Saturn. "Es kann ja sein, dass durch die Ereignisse in Japan so schnell keine neuen Geräte nachgeliefert werden können", sagt er. Zudem werde der Preis für das Gerät wohl doch nicht so schnell fallen. "Letztlich weiß ich, dass gute Spiele kommen werden. Und da braucht man auch das richtige Gerät dafür, deshalb wollte ich die Konsole dann doch sofort haben."