Green City

Siemens plant den nächsten Umbau

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Beim Elektrokonzern Siemens verdichten sich die Anzeichen für einen umfassenden Konzernumbau.

So soll die sehr große Industriesparte offenbar verkleinert werden, wodurch eine neue vierte Sparte neben Industrie, Gesundheit und Energie entstehen würde. Besonders ist von den Plänen wohl die traditionsreiche Lichttochter Osram betroffen. Sie könnte an die Börse gebracht werden.

Wie unter anderem das "Handelsblatt" und die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das Unternehmensumfeld berichteten, will der Siemens-Aufsichtsrat am Montag entsprechende Schritte beschließen. Erst 2007 hatte der damals neue Konzernchef Peter Löscher das Siemens-Geschäft grundsätzlich neu gebündelt und in der Folge Beteiligungen verkauft.

Die Münchener Osram gehört mit einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro und weltweit rund 40 000 Mitarbeitern, darunter rund 1800 in Berlin, zu den größten Unternehmen der Branche. Ein Verkauf gilt als schwierig, weil kaum ein Konkurrent die nötigen Milliarden bezahlen könnte. Bei einem Börsengang sei noch offen, ob der Konzern weiterhin die Mehrheit an Osram behalten wolle, heißt es im "Handelsblatt". Siemens wollte sich nicht zu den Berichten äußern.

Auf seiner Sondersitzung soll der Aufsichtsrat einen grundlegenden Umbau der gesamten Industriesparte beschließen. Neben den Standbeinen Industrie, Gesundheit und Energie soll dem "Handelsblatt" zufolge eine vierte Sparte entstehen, in der das stark wachsende Geschäft mit den Städten gebündelt werden soll. Der "SZ" zufolge könnte die neue Sparte den Namen "Green City" erhalten, womit die umweltfreundliche Stadtentwicklung gemeint sei.

Mit dem Konzernumbau dürfte der bislang größte und umsatzstärkste Industriesektor Bereiche abgeben und deutlich schrumpfen, wie die "SZ" berichtete. So sollten etwa die Gebäudetechnik und die Mobility Division, zu der unter anderen das Bahngeschäft gehört, in die neue Einheit übergehen. Außerdem könnte aus dem Energiesektor die Stromverteilung in die neue Einheit passen. Auf den Industriesektor kommen demnach weitere Veränderungen zu. So solle die Dienstleistungssparte aufgelöst und die Automatisierungs- und Antriebssparte eingegliedert werden.

Der Chef der Industriesparte, Siegfried Russwurm, hatte die Mitarbeiter bereits vor einem Monat in einer E-Mail auf Veränderungen eingestimmt. In dem Schreiben heißt es, die Überlegungen gingen dahin, die Service-Aktivitäten für Industriekunden in einer eigenen Serviceeinheit zu bündeln. "Unsere Kunden wollen zunehmend ganzheitliche Lösungen aus einer Hand. Mit der angestrebten Weiterentwicklung unseres Branchen- und Servicegeschäfts werden wir dieser Erwartungshaltung zukünftig besser gerecht."

Es sei klar, dass diese Überlegungen bei den Mitarbeitern Fragen aufwürfen, schrieb Russwurm. "Dessen bin ich mir bewusst und deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen: Wir reden hier über Möglichkeiten, wie wir Wachstum fördern können und nicht über ein Restrukturierungsprogramm."

Mit einem Stellenabbau dürfte der Umbau demzufolge nicht verbunden sein. Für die Beschäftigten könnte der Umbau aber mit anderen Aufgaben oder einem Standortwechsel verbunden sein. Siemens beschäftigt in Berlin knapp 13 000 Mitarbeiter, gut die Hälfte davon in der Energiesparte. In der Industriesparte arbeiten rund 2000 Beschäftigte.

( /dpa/art )