Schadenersatz

Leo Kirch trifft auf seinen Widersacher

Neun Jahre nach der spektakulären Pleite seines Medien-Imperiums ist Leo Kirch zum ersten Mal vor Gericht mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer zusammengetroffen.

Der 84 Jahre alte Kirch macht den Ex-Manager und die größte deutsche Bank für den Zusammenbruch seiner Firmen-Gruppe verantwortlich und streitet seit Jahren erbittert um Schadenersatz. Nach gut eineinhalb Stunden brach der Vorsitzende Richter Guido Kotschy die Vernehmung des schwer kranken Kirchs auf Anraten von dessen Arzt allerdings ab. Kotschy will Kirch nun später wieder laden.

Der im Rollstuhl sitzende Kirch konnte kaum sprechen. Nur mithilfe seiner Mitarbeiterin Gertrude Barrera-Vidal, die eine Erklärung Kirchs verlas, konnte er die Fragen zur Vorgeschichte des Falls beantworten. Breuer folgte der Befragung ohne größere Regung - meist mit verschränkten Armen. Beide würdigten sich kaum eines Blickes. Im Laufe des Tages wurden auch der Kirch-Vertraute Dieter Hahn und der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Michael Cohrs vernommen.

Kirch wirft der Bank und Breuer vor, die Pleite seines Konzerns verschuldet zu haben. Breuer hatte wenige Monate vor der Pleite der Kirch-Gruppe 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt. Nach dem Interview hätten die Banken kein Geld mehr gegeben, sagt Kirch. Auch wenn Breuer das Interview inzwischen bereut, weisen er und die Bank die Vorwürfe zurück. "Was ich gesagt habe, war die Wahrheit und allgemein bekannt", sagte Breuer zum Auftakt vor vier Wochen. Die schlechte Lage der hoch verschuldeten Mediengruppe sei damals längst öffentlich diskutiert worden.

Im laufenden Verfahren fordert Kirch zwei Milliarden Euro Schadenersatz. In erster Instanz war er im März 2009 vor dem Landgericht München I mit diesem Versuch gescheitert. In einem weiteren Verfahren um Schadenersatz für andere Firmen seines Imperiums war Kirch zuletzt vor dem Landgericht München I unterlegen. Dagegen geht er vor.

( dpa )