Ernst-Reuter-Platz

Apple bittet zur iPad-Messe in Berlin

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Michael Miller

900 Euro sollten es schon. Nicht für das iPad 2, das es im Laden in der edelsten Ausstattungsvariante für knapp 800 Euro gibt. 900 Euro wollte Jonathan Kuhla für seinen dritten Platz in der Warteschlange vor dem Eingang des Applehändlers Gravis am Ernst-Reuter-Platz.

Kundgetan hat er das Angebot via Ebay. Drei Leute haben ihn angerufen. Zwei haben ihn beschimpft, einer äußerte vages Interesse und rief nicht mehr an. Also hat Kuhla selbst gekauft und zwei iPad 2 mitgenommen. Er ist jetzt einer der ersten, die dieses Gerät in Deutschland besitzen.

Es gehört zu Apple wie die runden Geräteecken, der angebissene Apfel und der manische Chef Steve Jobs im Rollkragenpullover. Wenn der Konzern aus Cupertino in Kalifornien etwas Neues auf den Markt bringt, dann stellt er es nicht einfach in die Geschäfte. Er organisiert ein Event. Apple fordert das Bekenntnis seiner Glaubensjünger und diese lassen sich nicht bitten. Es sind Menschen wie Jochen Kuhla, Nummer drei in der Warteschlange, Oliver, die Nummer zwei und Sven der am Freitagmorgen Punkt 8.02 Uhr Stellung vor dem Geschäft bezog. Neun Stunden lang betreiben sie das, was Menschen in der DDR einst für Bananen auf sich nahmen. Um 17 Uhr, als die Mitarbeiter die Schachteln in den Verkaufsraum tragen, sprintet Oliver noch an Sven vorbei.

Punkt 17 Uhr geht das iPad 2 zum ersten Mal in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie 22 weiteren Ländern über den Ladentisch. Lange Schlangen und ungewöhnliche Szenen bei solchen Anlässen ist man von der Apple-Gemeinde gewohnt. So verkaufte sich das erste iPad 300 000 Mal am ersten Verkaufstag im Mai vergangenen Jahres. Auch groß inszenierte Produktvorstellungen von Firmen-Chef Jobs heizen die Nachfrage an. Kurz nach dem Verkaufsstart des iPad 2 in den USA am 11. März kam es zu Lieferengpässen. Zum Online-Verkaufsstart in Deutschland am Freitagmorgen um zwei Uhr ächzten die Server des Online-Stores von Apple unter dem Ansturm.

Bei Gravis in Berlin stehen um 17 Uhr rund 400 Apple-Jünger hinter Sven und Oliver Schlange. "Natürlich sind das besondere Tage, auch für uns", sagt Jörg Mucke, Geschäftsführer bei Gravis. Er ist, wenn man so will, einer der Priester von Jobs und weiß, was an so einem Tag zu sagen ist: "Die Aufregung und das Kribbeln ist groß." Aber er ist auch routiniert: "Zwischenzeitlich haben wir einen standardisierten Ablauf eines solchen Events, auch bei der Vorbereitung."

Verkäufer führen Sven und Oliver aus der Schlange nacheinander an eines der vier Terminals. Dort nehmen sie die Bestellung auf, anschließend können die beiden das Objekt der Begierde bezahlen und in Empfang nehmen. Allerdings maximal zwei Geräte pro Person.

Viel Zeit hatten die Mitarbeiter des Apple-Händlers nicht zur Vorbereitung. "Wir erfahren den Termin am selben Tag wie die Öffentlichkeit", sagt Mucke. Apple verlangt Demut, auch von denen, die die Produkte verkaufen. Im Gegensatz zu anderen Herstellern ist ein neues Apple-Produkt ein Selbstläufer. Nicht Apple muss zufrieden sein, eine Verkaufsstelle zu finden. Ladenbesitzer sind dankbar, wenn sie die Geräte vertreiben dürfen.

Bei Gravis rechnen sie damit, dass der Nachfragedurst heute nicht komplett gestillt werden kann. Das zeigen die Anfragen im Vorfeld und die Erfahrungen vom Verkaufsstart in den USA. Wie viel iPads am Verkaufsstart zur Verfügung stehen, wird nicht verraten. Apple ist bei solchen Informationen eher zurückhaltend. Und es gibt Gerüchte, Apple könne wegen der Krise in Japan nicht genug Geräte liefern.

Verlosung Die Berliner Morgenpost verlost gemeinsam mit 104.6 RTL und 105'5 Spreeradio bis zum ersten April Mo.-Fr. ein iPad 2. Einfach die jeweiligen Morgenshows (Arno und die Morningcrew sowie Jochen Trus am Morgen) hören und mitmachen.