Studie

Deutsche halten Frauen für schlechtere Chefs

Die Vorstellung, dass weibliche Chefs ebenso gut führen können wie männliche, ist in den Köpfen der deutschen Mitarbeiter offenbar noch nicht verankert - das zeigt eine Umfrage. Im Auftrag der Berliner Morgenpost fragte die Marktforschungsgesellschaft GfK 509 Männer und 536 Frauen: "Wen hätten Sie lieber als Chef: einen Mann? Eine Frau? Oder ist es Ihnen egal?"

41 Prozent der Befragten sagen, sie würden einen Mann als Chef vorziehen. 49 Prozent ist das Geschlecht des Vorgesetzten gleichgültig. Lediglich zehn Prozent dagegen hätten lieber einen weiblichen Chef. Und: Unter Frauen ist die Vorliebe für eine Chefin mit zwölf Prozent gar nicht wesentlich größer als unter Männern, wo sie neun Prozent beträgt.

GfK-Studienleiter Klaus Hilbinger erklärt sich das jüngste Umfrageergebnis vor allem damit, dass es nach wie vor nur wenige Frauen in Führungspositionen gibt und den Befragten daher schlichtweg positive Erfahrungen fehlten: "Viele Leute kennen es einfach nur so, dass der Chef ein Mann ist, und denken dann vermutlich, dass sie damit stets gut gefahren sind."

Diese Einschätzung teilt auch Aletta Gräfin von Hardenberg, die bis vor Kurzem bei der Deutschen Bank für Vielfalt in Deutschland zuständig war, im Konzern mithin unter anderem dafür sorgen sollte, dass auch mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. "Uns fehlen in Deutschland bisher die Leuchttürme, also Chefinnen, die über ihre Abteilung und ihr Unternehmen hinaus bekannt sind und Beispielcharakter ausstrahlen", sagt von Hardenberg, die seit Kurzem Geschäftsführerin des Vereins "Charta der Vielfalt" ist, einer Initiative der Wirtschaft, die sich für vielfältigere Strukturen in Unternehmen einsetzt.

Ganz von selbst jedenfalls, so hat es den Anschein, setzt sich im Bewusstsein der deutschen Erwerbstätigen mehr Offenheit gegenüber weiblichen Führungskräften nur sehr zögerlich durch. Das zeigt der Vergleich jüngerer und älterer Teilnehmer bei der GfK-Befragung, berichtet Klaus Hilbinger. "In der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen antworteten die Befragten ganz ähnlich wie in der Gruppe der 50- bis 59-Jährigen."

Auffällig ist jedoch zugleich: Je mehr Kinder im Haushalt der Befragten leben, desto größer ist auch die Bereitschaft, einen weiblichen Chef zu akzeptieren. Das könnte daran liegen, dass weibliche Vorgesetzte selbst häufiger Kinder haben - und die Mitarbeiter daher von ihnen erwarteten, mehr Verständnis zu haben, wenn ein Teammitglied wegen eines Kinderarzttermins ausfalle, sagt David Juncke, Experte beim Forschungszentrum für familienbewusste Personalpolitik an der Universität Münster.

Ob es indes tatsächlich einen "weiblichen" und einen "männlichen" Führungsstil gibt, ob also die Vorlieben der Befragten gerechtfertigt sein mögen, daran scheiden sich die Geister. Expertin von Hardenberg ist der Meinung, der Führungsstil hänge einzig von der Persönlichkeit der jeweiligen Führungskraft ab. Andere finden den weiblichen Führungsstil tendenziell demokratischer und partizipativer. Aus der Sicht der Personalberaterin Gabriele Stahl sind weibliche Chefs häufig konsequenter als ihre männlichen Gegenparts und würden strenger kontrollieren, ob abgesteckte Ziele tatsächlich eingehalten wurden. "Das könnte auch dazu führen, dass sich unterdurchschnittliche Performer tendenziell männliche Vorgesetzte wünschen."