Marktbericht

Mit dem Schlimmsten rechnen

Das katastrophale Erdbeben in Japan, dessen Auswirkungen noch gar nicht überschaubar sind, ist auch für ein deutsches Unternehmen äußerst heikel: die Münchener Rück, die heute Munich Re heißt.

Der Versicherungskonzern war gestern unter den größten Verlierern im Deutschen Aktienindex Dax. Munich Re ist ein Rückversicherer. Umgangssprachlich würde man sagen: Munich Re ist im Schadensfall die letzte Instanz und, dazu könnte es jetzt kommen, der letzte Zahlmeister. Denn viele Assekuranzen, die in Japan beispielsweise Gebäude versichern, sind Kunde bei der Münchener Rück. Sie werden jetzt den Versicherungsfall geltend machen. Nun muss sich zeigen, ob die Experten aus München richtig kalkuliert haben. Munich Re beschäftigt Heerscharen von Wissenschaftlern - Mathematiker, Geologen, Physiker -, die alle möglichen Risiken in allen nur denkbaren Weltregionen analysieren. Auf Basis dieser Analysen wird die Höhe der Prämien errechnet, die Versicherungsunternehmen der Munich Re zahlen müssen. Die Spezialisten der Munich Re sind Menschen, die ständig mit dem Schlimmsten, mit dem Worst Case rechnen. Dieser Fall ist nun in Japan eingetreten. Der Gründungsmythos der Münchener Rück ist im Übrigen mit dem schweren Erdbeben 1906 in San Francisco verwoben. Damals war die Münchner Rück das einzige Versicherungsunternehmen, das zahlungsfähig blieb.