Kündigung

Hochtief-Manager flieht vor den Spaniern

Nach dem Übernahmekampf um Deutschlands größten Baukonzern Hochtief gibt es personelle Konsequenzen. Peter Noé, im Hochtief-Vorstand zuständig für die Flughafensparte Concessions und das Asien-Pazifik-Geschäft, wird das Unternehmen zum 10. September 2011 verlassen. Der 53-Jährige macht dabei von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch - und kassiert Millionen.

Diese Ausstiegsmöglichkeit steht ihm zu, seit der ungeliebte Großaktionär ACS gegen den Willen von Hochtief mehr als 30 Prozent der Anteile am Essener Traditionsunternehmen kontrolliert.

Durch das Vorpreschen der Spanier sieht Noé, seit 2002 im Vorstand, für sich offenbar keine Zukunft mehr bei Hochtief. Der Abschied wird ihm durch eine Abfindung versüßt. Laut Geschäftsbericht bekommt er eine Abfindung von zweieinhalb Jahresbezügen. Basierend auf dem Gehalt von 2009, das sich aus festem Honorar und erfolgsorientierten Bezügen zusammensetzt, wären das 2,67 Millionen Euro. Hinzu kommen Altersvorsorgeansprüche im niedrigen sechsstelligen Bereich. Eine Sprecherin bezeichnete diese Extras als "vollkommen üblich" für einen Konzern, der im MDax notiert ist.

Ob weitere Hochtief-Vorstandsmitglieder das Handtuch werfen, ist noch ungewiss. Die verbliebenen Top-Manager haben bis Ende Juli Zeit, den goldenen Händedruck samt prall gefülltem Geldkoffer abzufordern. Dann läuft die Frist für die lukrative Kündigungsklausel aus. Derweil rätseln Beobachter, welche personellen Veränderungen sich bei Hochtief rund um die Hauptversammlung am 12. Mai noch ergeben könnten. Denn inzwischen laufen die Vorbereitungen zur Nominierung der neuen Aufsichtsratsmitglieder. Hier wird sich zeigen, wie viel Macht ACS bereits im Hause Hochtief besitzt. Und ausgerechnet in dieser heiklen Situation stehen alle Kontrollposten zur Wiederwahl oder Neubesetzung an.

Bekommen die Spanier im Aufsichtsrat die Kontrolle, könnten sie den Vorstand von Hochtief vor die Tür setzen und die Posten - etwa den des wenig ACS-freundlichen Vorstandschefs Herbert Lütkestratkötter - mit Personen zu besetzen, die ihnen genehm sind und weitgehend ungehindert ihre Interessen durchsetzen. Ob das gelingt, ist unklar. Acht der 16 Aufsichtsratsposten werden von den Eigentümern besetzt, wobei der Vorsitzende Detlev Bremkamp bei unentschiedenen Abstimmungen eine zweite, entscheidende Stimme hat.

Bisher sind von den acht Kapitalseiten-Posten zwei direkt mit ACS-Vertretern besetzt - von Marcelino Fernandez Verdes und Angel Garcia Altozano, der rechten Hand des Madrider ACS-Chefs Florentino Perez. Zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseigner sollen, so die Gerüchte, auf der Seite der Spanier stehen.

Bis zur Hauptversammlung wird nun der Nominierungsausschuss eine Liste mit den künftigen Aufsichtsratsmitgliedern aufstellen. Das Gremium besteht aus dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bremkamp, aus ACS-Mann Verdes und aus Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, der früher selbst lange Chef von Hochtief war. Aber selbst wenn die Personalvorschläge dieses Gremiums die Machtgelüste der Spanier im Zaum halten sollten, können sich die Gegner von ACS nicht zurücklehnen. Denn jeder Aktionär kann einen Gegenvorschlag machen, über den dann in der Aktionärsversammlung abgestimmt werden muss.

Also ist entscheidend, wie viele Stimmrechte ACS für sich verbuchen kann. In den vergangenen Wochen hatte ACS fleißig Aktien gekauft, am Freitag lag der Anteil bereits bei rund 36 Prozent. Und je näher der Großaktionär bis zum 12. Mai der 50-Prozent-Grenze kommt, desto höher ist seine Chance, auf Dauer die Geschicke von Hochtief bestimmen zu können. Deshalb hatte Konzernchef Lütkestratkötter bereits angekündigt, sämtliche Aktionäre mobilisieren zu wollen.

Hochtief hat jedenfalls die Essener Grugahalle gemietet - für den Fall, dass der Ansturm größer ist als die sonst üblichen rund 1000 Aktionärsvertreter, die 60 bis 70 Prozent des Kapitals vertreten. In der Halle finden locker auch 2000 oder mehr Besucher Platz bei der wohl spannendste Hauptversammlung der Firmengeschichte.