Immobilienmarkt

Zwölf Quadratmeter für 550 Euro

Hübsches Studio, zwölf Quadratmeter groß, saubere Toilette auf dem Gang, 550 Euro im Monat." Mit einem Quadratmeterpreis von knapp 46 Euro ist das Zimmer, das hier von einem privaten Vermieter im 12. Arrondissement von Paris angeboten wird, sogar noch vergleichsweise billig.

Denn in der auf Immobilienanzeigen spezialisierten Wochenzeitung "Particulier à Particulier" werden noch kleinere Zimmer im vornehmen 16. Arrondissement für 790 Euro im Monat angeboten. Ohne Nebenkosten versteht sich. Dafür im sechsten Stock gelegen, ohne Aufzug und ohne eigenes Bad. Stattdessen müssen sich die Bewohner der "Chambres de bonnes", wie die einst Dienstboten vorbehaltenen Unterkünfte heißen, Dusche und Toilette auf dem Gang teilen.

Was in Deutschland für die meisten undenkbar wäre, stellt in der französischen Hauptstadt für Studenten, Arbeitslose oder Geringverdiener oft die einzige Möglichkeit dar, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu finden. Denn angesichts der hohen Mietpreise, die in Paris Spitzenwerte bis zu 54 Euro pro Quadratmeter erreichen, können sie sich eine größere Unterkunft nicht leisten. Entsprechend gefragt sind kleine Zimmer und Wohnungen. Das aber nutzen viele Vermieter schamlos aus - mit entsprechend hohen Mieten auch für sehr schlecht ausgestattete Unterkünfte.

Damit soll nun Schluss sein. Zumindest wenn es nach dem Willen der konservativen Regierung geht. So kündigte Wohnungsstaatssekretär Benoist Apparu jetzt die Einführung einer Sondersteuer an. Gelten soll sie für Zimmer, die maximal 13 Quadratmeter groß sind und zu exzessiven Preisen vermietet werden: Wer 40 Euro oder mehr pro Quadratmeter verlangt, soll vom 1. Januar an zur Kasse gebeten werden. In welcher Höhe die Mieteinnahmen dafür besteuert werden sollen, ist allerdings noch unklar. Bis jetzt steht nur fest, dass die Steuer in Abhängigkeit vom Überschreiten der Grenze gestaffelt werden soll.

Nach Angaben der Regierung gibt es in ganz Frankreich insgesamt 48 704 Miniwohnungen oder Zimmer mit einer Fläche bis 13 Quadratmeter, die vermietet werden, davon allein 20 289 in Paris. Die geplante Steuer betreffe gerade einmal ein Prozent der Mietwohnungen in der französischen Hauptstadt, kritisiert der sozialistische Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë. Damit aber sei die Maßnahme völlig ungeeignet, den Anstieg der Mieten zu stoppen. Immerhin hätten diese innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 50 Prozent zugelegt, so dass es sich viele Familien nicht mehr leisten könnten, in Paris zu wohnen.

Dabei gehen sowohl Delanoë als auch Staatssekretär Apparu von den Durchschnittspreisen aus, die das staatliche Institut Observatoire des loyers Clameur jedes Jahr veröffentlicht. Ein Blick auf die Simulation, in der "Particulier à Particulier" auf seiner Internetseite die Preise der veröffentlichten Anzeigen auswertet, zeigt jedoch, dass der von dem Institut angegebene durchschnittliche Mietpreis von 23 Euro je Quadratmeter mit der Realität nicht viel zu tun hat.

So werden selbst in den günstigsten Vierteln von Paris - im 19. und 20. Arrondissement - Quadratmeterpreise von durchschnittlich 25 bis 26 Euro verlangt. Im feinen 6. Arrondissement müssen Mieter im Schnitt 36,78 Euro bezahlen. Selbst die Zimmer in den Pariser Studentenwohnheimen kosten bereits 23 Euro pro Quadratmeter.