Staatsanleihen

Große Investoren entziehen den USA ihr Vertrauen

Das Jahr hatte für die USA ganz gut begonnen. Die Auguren machten endlich Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung aus, das Wachstum sollte 2011 zwei bis drei Prozent erreichen, selbst die Zahl der Arbeitslosen sank zuletzt mal wieder.

Doch die Hoffnung währte kaum zwei Monate. Denn nun droht in Übersee eine ähnliche Krise wie in Europa vor rund einem Jahr.

Denn die Finanzinvestoren verlieren das Vertrauen. Bill Gross, einer der wichtigsten Stimmen am Anleihenmarkt, gab jetzt bekannt, sich von sämtlichen US-Staatsanleihen getrennt zu haben. Er verwaltet den Total-Return-Fonds des weltgrößten Anleiheninvestors Pimco, der wiederum zum Allianz-Konzern gehört. Rund 237 Milliarden Dollar (172 Milliarden Euro) hat Gross' Fonds investiert. Der US-Regierung gibt er keinen Cent mehr.

Und er ist bei Weitem nicht der Einzige. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie man der US-Regierung Geld auf 30 Jahre leihen kann", sagt Jim Rogers, eine andere Investmentlegende, berühmt geworden vor allem durch sein frühes Erkennen des Rohstoffbooms. Beide, aber auch viele andere Anleger treibt die Sorge um, was passiert, wenn die US-Notenbank (Fed) aufhört, amerikanische Staatspapiere zu kaufen.

Gross schätzt, dass die Fed seit November rund 70 Prozent aller neu ausgegebenen US-Anleihen gekauft hat, den Rest nahmen offenbar ausländische Investoren, meist Staaten, ab. Doch Ende Juni läuft das 600 Milliarden Dollar umfassende Kaufprogramm der Fed aus. Was dann passiert, ist fraglich. Schlimmstenfalls droht ein drastischer Kursverlust für US-Staatanleihen und folglich eine ebenso deutliche Erhöhung der Renditen und damit der Zinskosten für das Staatsbudget.

Genau dort liegt das zweite Problem, das die Finanzmärkte umtreibt. Denn die Politiker in Washington konnten sich immer noch nicht auf einen Haushalt für dieses Jahr einigen. Sollte ihnen das nicht bis zum 18. März gelingen, dann gehen in der US-Regierung die Lichter aus - im wahrsten Sinne des Wortes. Dann muss die Verwaltung ihre Arbeit einstellen, nur grundlegende Aufgaben wie Polizei oder Feuerwehr werden aufrechterhalten.

Dass dies passiert, ist nicht so unwahrscheinlich, wie es klingt. Denn das gab es bereits. Vom 14. bis 19. November 1995 sowie vom 16. Dezember 1995 bis 6. Januar 1996 musste die US-Regierung schon einmal in unbezahlten Urlaub. Damals stritt die republikanische Kongressmehrheit mit Präsident Bill Clinton über den Etat. Diesmal müssen es die Republikaner mit Barack Obama aufnehmen. Die Märkte reagierten damals relativ gelassen. Mancher glaubt, dies werde auch diesmal so sein - schließlich werden sich die Parteien schon irgendwann einigen.

Doch selbst wenn dies so ist, steht kurz danach eine weitere Herausforderung an. Denn nach Auskunft des US-Finanzministeriums wird zwischen 15. April und 30. Mai die Schuldenobergrenze erreicht, derzeit 14,3 Billionen Dollar. Will der Staat mehr Schulden machen, muss diese Grenze erhöht werden.

Das ist zwar allein in den vergangenen zehn Jahren zehn Mal geschehen, allerdings ist die Lage heute weit dramatischer als jemals zuvor. "Jegliche realistische Prognose zukünftiger Ausgaben und Einnahmen der Regierung zeigt, dass der aktuelle Trend der US-Defizitfinanzierung eindeutig nicht haltbar ist", sagt Kent Shepherd, Portfolio-Manager bei Franklin Templeton, einem großen US-Investmenthaus. Heute seien die Zinszahlungen dank recht niedriger Zinsen überschaubar, aber wenn die Zinsen stiegen, würde die Kostenlast größer.

Genau dies dürfte passieren, wenn die Investoren US-Zinspapiere nur noch mit spitzen Fingern anfassen. Projektionen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigen, dass die Zinslast der USA dann bald doppelt so hoch liegen dürfte wie jene Japans oder Spaniens - beides Länder, die schon seit einiger Zeit unter kritischer Beobachtung stehen. "Amerikanische Staatsanleihen sind kein sicherer Hafen", folgert Jim Rogers.

"Ich kann mir nicht vorstellen, wie man der US-Regierung Geld leihen kann"

Jim Rogers, Investorenlegende