Spickmich.de

Gute Lehrer, schlechte Lehrer

Welche Schule empfehlen Schüler? Wie gut ist ein Lehrer? Und wo arbeitet der beste Lehrer Deutschlands? Das Schülerportal Spickmich.de liefert die Antworten. Das gleichnamige Unternehmen dahinter beschäftigte schon die Gerichte und will jetzt von Berlin aus durchstarten - und Geld verdienen.

"Unsere Idee war von Anfang an, eine interaktive Schülerzeitung mit Jugendthemen zu gestalten. Wir wollten keine reine Lehrerbewerter sein", sagt Tino Keller, einer der Gründer. Er sitzt in einem Hinterhof in Kreuzberg, von wo aus die Internetseite gemanagt wird, die vielen Pädagogen immer noch Kopfzerbrechen bereitet. Dabei gibt es auf der Internetseite auch Spiele, eine Pinnwand und den Bereich Flirtcheck.

"Wir waren schon immer der Meinung, dass so ein Unternehmen in Berlin entstehen muss. Berlin ist für Internetunternehmer das Zentrum von Deutschland, wenn nicht sogar Europas", sagt der Jungunternehmer. "In Berlin lebt die Szene, hier gibt es die besten Programmierer, interessante Menschen, viele Ideen." Und: "Der Umzug war eine sehr gute Entscheidung." Vor genau einem Jahr zog Spickmich von Köln in die Hauptstadt um.

Das Schülerportal ist mittlerweile gewachsen und hat Großes vor. Spickmich beschäftigt zurzeit zehn Mitarbeiter. Rund 1,7 Millionen Schüler sind registriert, davon 1,2 Millionen aktive, Tendenz steigend. Und wenn die Nutzerzahlen steigen, steigen auch die Werbeerlöse, von denen Spickmich lebt. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge 2010 rund 800 000 Euro umgesetzt und einen leichten Gewinn ausgewiesen.

Auf die kurzfristigen Ziele angesprochen, sprudelt es aus Keller nur so heraus. "Wir werden demnächst die Redaktion ausbauen, um mehr Content zu produzieren. Wir möchten die Zahl unserer Fans auf Facebook von 190 000 auf eine Million steigern und auch auf SchülerVZ wachsen." Dabei müssten die anderen sozialen Netzwerke doch eigentlich Konkurrenten sein. "Facebook und SchülerVZ sind unsere Kooperationspartner. Unser Ansatz ist es, den Content dorthin zu bringen, wo unsere Zielgruppe sich aufhält. Facebook und SchülerVZ werden somit für uns zu Kanälen, um unsere User anzusprechen", sagt Keller. Im Klartext: Die Schüler sind vor allem bei Facebook unterwegs, von da lockt sie Spickmich.de zum eigenen Angebot.

Was für die einen unternehmerischer Erfolg ist, ist für die anderen Denunziantentum. Etwa das Thema Lehrerbewertung. "Die Reaktionen zu unserem Produkt waren von Anfang an gemischt. Wir haben damals zwei Ordner angelegt. Einen für die positiven Reaktionen und einen für die weniger positiven", sagt Keller und lächelt. Er berichtet von E-Mails aufgeregter Lehrer, deren Inhalt unter die Gürtellinie ging, und von Anrufen aufgebrachter Pädagogen, die sich oft im Ton vergriffen.

Schub vom Schuldirektor

"Wir haben alle Rückmeldungen erst genommen und versucht aufzuklären. Wenn dich aber ein Ausdruck vom Stadtplan erreicht, in dem dein Büro im Fadenkreuz steht, machst du dir schon Gedanken", berichtet er. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Die Lehrer haben Keller zufolge akzeptiert, dass ihre Arbeit auch bewertet werden darf.

Begonnen hat alles in Köln. Im April 2006 diskutierten fünf Betriebswirtschaftsstudenten der Kölner Universität über die Marktchancen für soziale Netzwerke. Die Idee, mit einem eigenen Portal an den Start zu gehen, verwarf die Mehrheit. "Manuel Weisbrod und ich sind drangeblieben. Wir waren einfach davon überzeugt, dass unserer Idee funktionieren kann", erzählt Keller. Da beide nicht programmieren konnten, holten sie Philipp Weidenhiller dazu. Heute sind die drei Geschäftsführer der Spickmich GmbH. "Wir wussten von unserer Zeit bei der Abi-Zeitung, dass Lehrerbewertungen funktionieren können. Und wir wollten unbedingt etwas in der Online-Welt machen, das auch ohne großes Investment funktionieren kann", sagt Keller.

Der Name Spickmich.de geht auf einen Vorschlag von Weisbrods Vater zurück. "Er hat sich für unsere Idee begeistert und gleich eine Liste mit Vorschlägen unterbreitet. Wir haben bei den Entwürfen sehr gelacht", sagt Keller und freut sich noch rückblickend. Am Ende mussten sich die Gründer zwischen Klassenalbum.de und Spickmich.de entscheiden.

Im Februar 2007 ging das interaktive Jugendportal online. "Du denkst, du hast es endlich geschafft, und dann passiert erst mal nichts", resümiert Keller. Das Trio erkannte, "dass ohne Werbung nichts läuft", und begann, an den Schulen Schlüsselbänder mit Broschüren zu verteilen. Unerhoffte Unterstützung kam in der Anfangszeit von einem Schuldirektor aus Köln. "Der fand unsere Idee nicht so toll und wollte seine Schüler davor warnen", erinnert sich Keller. "Er hat in der großen Pause über Lautsprecher melden lassen, dass eine neue Internetseite existiert, die den Schulfrieden gefährde, und die Schüler dazu aufgerufen, unsere Seite nicht zu besuchen", schmunzelt er. Noch am gleichen Tag gab es einen Ansturm auf die Seite. "Die gesamte Schule muss sich angemeldet haben", erzählt Keller.

Der Durchbruch gelang allerdings erst als "Bild" und der Radiosender 1live in Köln berichteten. Eine Lehrerin hatte Spickmich verklagt, weil sie in den Bewertungen durch die Schüler ihr Persönlichkeitsrecht verletzt sah. "Erst danach waren wir in Köln richtig bekannt", gesteht Keller. Und bundesweit wurden Schüler und Lehrer aufmerksam.

Frisches Geld von Investoren

Für Spickmich.de läuft es derzeit gut. Durch den Umzug herrscht Aufbruchstimmung im Unternehmen, und durch neue Gesellschafter ist frisches Kapital für Investitionen vorhanden. Zu den Investoren, darunter der ehemalige Ebay-Geschäftsführer Jörg Rheinboldt, kamen Anfang 2010 noch Bernd Kundrun, früher Chef des Verlagshauses Gruner + Jahr, und die Berliner Markenberatung Musiol Munziger Sasserath. "Für neue Projekte sind externe Finanzspritzen notwendig", sagt Keller. Für eine mittlere sechsstellige Summe bekamen die Investoren je vier Prozent von Spickmich. "Das Geld wird in die Entwicklung neuer Features fließen und in den weiteren Ausbau der Seite", sagt Keller. Unter den Kontakten der neuen Gesellschafter hofft das Unternehmen auch, potenzielle Werbekunden zu finden.

Einem Verkauf des Unternehmens steht Keller grundsätzlich offen gegenüber. "Das Projekt Spickmich.de ist mit uns verbunden. Der potenzielle Käufer müsste uns schon genau sagen, was er mit unserem ,Baby' vorhat. Bei einer gemeinsamen Zukunftsvision und dem entsprechenden Angebot, könnte man ins Gespräch kommen."

Die Prognose für das laufende Jahr lautet: "Spannend." Denn: "Wir stellen uns den Herausforderungen des unternehmerischen Daseins", sagt Keller.