Umfrage

Angst vor den Arbeitskräften aus Osteuropa

73 Prozent aller Deutschen fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen, wenn von Mai an die Grenzen für Arbeitnehmer aus Osteuropa geöffnet werden. Nur gut 15 Prozent sehen keine Gefahr für bestehende Arbeitsplätze, wie eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergab.

Besonders ausgeprägt ist die Angst in den neuen Bundesländern; dort glauben knapp 79 Prozent der Befragten, dass die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus Mittel- und Osteuropa hierzulande Arbeitsplätze kosten wird. Immerhin 43 Prozent aller Befragten glauben, dass nicht nur Jobs von ungelernten, sondern auch von gelernten Arbeitern in Gefahr sind. In Ostdeutschland rechnet sogar die Hälfte der Bevölkerung damit. Die GfK befragte 1000 Personen.

"Die starke Angst, dass Arbeitsplätze verloren gehen, zieht sich quer durch die Gesellschaft und durch alle Schichten", sagt GfK-Projektleiter Klaus Hilbinger. "Selbst unter den Bessergebildeten mit höheren Einkommen erwarten 70 Prozent, dass die Freizügigkeit zu Arbeitsplatzverlusten führen wird."

Am 1. Mai fallen auch die letzten Grenzen für Arbeitnehmer aus den acht osteuropäischen Ländern, die 2004 der EU beigetreten sind. Menschen aus Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen haben dann freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Firmen aus diesen Ländern können hier genauso ihre Dienste anbieten wie deutsche. Die Gewerkschaften sowie ein Teil der Arbeitgeber und Politiker nutzen die Debatte um die Osterweiterung, um für einen flächendeckenden Mindestlohn zu kämpfen.

Sind die Ängste begründet? Im Dezember veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Studie, in der untersucht wurde, ob die Erwerbslosigkeit durch Zuwanderung steigt. Das Ergebnis der Nürnberger Forscher: Würden 450 000 Menschen nach Deutschland kommen, um hier Arbeit zu suchen, würden die Löhne nur um 0,1 Prozent sinken, die Arbeitslosenquote würde nur um 0,1 Prozentpunkte steigen. Tatsächlich kommen wohl weit weniger Menschen. IAB-Direktor Joachim Möller erwartet rund 100 000 Menschen pro Jahr.

Die Ökonomen bleiben ruhig, aber die Bevölkerung hat Ängste - diese Kluft zwischen breiter Öffentlichkeit und Wissenschaft hält Marktforscher Hilbinger für gefährlich: "Offenbar läuft hier die Kommunikation schief."