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Volkswagen verachtfacht den Gewinn

Angesichts eines Rekordgewinns schüttet Volkswagen das Füllhorn über die Aktionäre aus. Der Aufsichtsrat schlug vor, den Anteilseignern - darunter als größtem der Porsche-Holding - 2,26 Euro je Vorzugs- und 2,20 Euro je Stammaktie zu zahlen. Im Krisenjahr 2009 war die Dividende auf 1,66 Euro je Vorzugs- und 1,60 Euro je Stammaktie gekappt worden.

Für das laufende Jahr dämpfte der Vorstand die Erwartungen allerdings wegen der explodierenden Rohstoffkosten.

Dank der kräftig gestiegenen Verkaufszahlen steigerten die Wolfsburger 2010 ihren Gewinn nach Steuern um fast das Achtfache auf 7,2 Milliarden Euro. Der Umsatz lag mit 126,9 Milliarden Euro mehr als 20 Prozent höher als 2009. Zugleich stiegen die Barmittel binnen Jahresfrist um 75 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro. Damit ist der Wolfsburger Konzern nach Meinung von Experten gegen Überraschungen auf dem Weg an die Weltmarktspitze gewappnet.

Konzernchef Martin Winterkorn erklärte, VW fahre "auf einem soliden, profitablen Wachstumskurs". Die "breite und umweltfreundliche Modellpalette" und die "finanzielle Stärke und die klare strategische Ausrichtung" hätten zu dem guten Ergebnis beigetragen. Nun wolle der Konzern das "Wachstum auf den Weltmärkten" maßgeblich mitgestalten.

VW profitierte 2010 vor allem von einer massiven Nachfragesteigerung in China und anderen Wachstumsmärkten - der Konzern verkaufte fast 14 Prozent mehr Autos als 2009. Außerdem bestellten die Kunden höherwertige Modelle mit größeren Motoren und mehr Extras. Für das laufende Jahr stellte der Volkswagen-Vorstand weitere Zuwächse bei Umsatz und operativem Ergebnis in Aussicht. Der Anstieg der Zinsen, Wechselkursschwankungen und die explodierenden Rohstoffpreise würden die positiven Effekte steigender Absatzzahlen jedoch abschwächen.

Schon 2009 hatten die Wolfsburger dank der Abwrackprämie einen Rekordabsatz erreicht. Die Weichen für weiteres Wachstum sind bereits gestellt: In den USA eröffnet demnächst ein neues Werk, in Russland hat VW sich mit dem Autobauer GAZ zusammengetan, der dem Oligarchen Oleg Deripaska gehört. In einem Werk von GAZ sollen in Zukunft jährlich mehr als 100 000 Autos der Marken VW und Skoda vom Band rollen.

Zudem kündigte Volkswagen an, für die Kapitalseite eine Frau in den Aufsichtsrat zu holen. Die Präsidentin der schwedischen Bank SEB, Annika Falkengren, werde für die Wahl auf der Hauptversammlung Anfang Mai vorgeschlagen. Neu in das Kontrollgremium einziehen soll auch ein zweiter Vertreter des Großaktionärs Katar. Die Amtszeiten von RWE-Chef Jürgen Großmann und Hans Michael Gaul im Gremium laufen aus.